Im Norden Malis werden nach Einschätzung von Human Rights Watch Kinder und Frauen massiv in ihren Menschenrechten verletzt. "Es gibt viele Fälle, in denen Kinder als Kindersoldaten rekrutiert wurden", sagte die für Kinderrechte zuständige Expertin der Menschenrechtsorganisation, Juliane Kippenberg, der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. "Die Lage der Kinder in Mali ist dramatisch." Mädchen und Frauen würden vergewaltigt. In dem westafrikanischen Land hatten nach einem Putsch im März islamische Rebellen und Tuareg-Kämpfer die nördlichen Gebiete erobert.
Von den westlichen Regierungen forderte Kippenberg, sich bei der Übergangsregierung im Süden des Landes für Aufklärung einzusetzen. Verantwortliche müssten vor Gericht gestellt werden. An diesem Montag reist Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) nach Westafrika. Neben Sierra Leone besucht er auch Burkina Faso, ein Nachbarland Malis.
Im Norden Malis herrschen nun Islamisten mit Verbindungen zur Terrororganisation al-Kaida im Islamischen Maghreb. Auf Grundlage der islamischen Rechtsprechung Scharia wollen sie einen eigenen Staat aufbauen. Es gibt Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen. In Timbuktu zerstörten die Islamisten historische Heiligtümer.
Kippenberg berichtete von Kindern ab zwölf Jahren, vielleicht sogar jünger, die in Nord-Mali als Kindersoldaten rekrutiert worden seien. "Nach unseren Informationen werden Kinder jetzt oft in einer Art islamischen Polizei eingesetzt." Laut UN-Kinderhilfswerk Unicef seien mindestens 175 Kinder rekrutiert worden. Zum Teil bekämen sie eine Kalaschnikow in die Hand gedrückt und müssten dann mit den erwachsenen Rebellen gemeinsam kämpfen oder Zivilisten kontrollieren.
Ein großes Problem sei auch die sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen, beklagte Kippenberg. "Wir haben viele Berichte von Mädchen und Frauen, die vergewaltigt wurden."
Das Scharia-Recht wird nach den Erkenntnissen von Human Rights Watch nicht überall in Nord-Mali gleichermaßen umgesetzt. "An einigen Orten wird das stärker betont als an anderen und auch sehr viel harscher durchgesetzt. (...) In Timbuktu gibt es zum Beispiel viele Fälle von Zivilisten, die geschlagen werden, weil sie nur den falschen Handyklingelton haben oder weil sie Musik hören, weil sie rauchen oder weil sie in größeren Gruppen zusammensitzen und Tee trinken."
Ungeachtet der Krise in Mali forderte Kippenberg die westlichen Regierungen auf, Hilfsprojekte für das Land weiterzuführen. "Es ist ganz wichtig, dass humanitäre Hilfe aufrechterhalten wird beziehungsweise sogar verstärkt wird." Den Opfern müsse mit konkreter Unterstützung und medizinischer Versorgung geholfen werden.