Der chinesische Premierminister Wen Jiabao, (l.), und der indische Premierminister Manmohan Singh
"Wenn Indien und China zusammenarbeiten, können wir auf dem IT-Gebiet Weltmarktführer werden", sagte Wen während seines viertägigen Besuches in Indien. Bei der Visite geht es vorrangig um den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern, die zusammen 40 Prozent der Weltbevölkerung stellen. Indien und China vereinbarten eine "strategische Partnerschaft für Frieden und Wohlstand", die der chinesische Ministerpräsident und sein indischer Kollege Manmohan Singh am Montag in Neu-Delhi unterzeichneten.
Unter Hinweis auf Indiens Know how bei der Software und Chinas Stärke in Hardwarebereich sagte Wen, eine Zusammenarbeit stehe für den künftigen Wohlstand beider Länder. Peking sei bereit zu einer Ausweitung der bilateralen Beziehungen und zur Beilegung bestehender Probleme. Beide Seiten erklärten, die Lösung der seit dem Krieg 1962 bestehenden Grenzstreitigkeiten solle der geplanten Annäherung zwischen den beiden asiatischen Giganten nicht im Wege stehen.
"Brücke der Freundschaft"
Die Regierungschefs versicherten, ihre Länder seien bereit, nach einer "fairen, vernünftigen und von beiden Seiten akzeptierten Lösung" zu suchen. "Wir werden eine Brücke der Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern errichten, eine Brücke, die uns beide in die Zukunft führt", sagte Wen.
Abschnitte der rund 4000 Kilometer langen gemeinsamen Grenze sind zwischen den beiden Ländern umstritten. Unter anderem geht es um Teile von Kaschmir. Im Streit um Sikkim, der noch nicht endgültig beigelegt ist, hatten die Nachbarn 2003 einen Durchbruch erzielt: China erkannte indirekt die indische Hoheit über das Gebiet an. Zudem wurde unter anderem ein Grenzübergang geöffnet, der seit dem blutigen Grenzkrieg zwischen Indien und China im Jahr 1962 geschlossen war.
Überschattet der Besuch Wens am Wochenende von Protesten von Tibetern in Bangalore und Neu-Delhi. Dabei wurden drei Demonstranten festgenommen. In Bangalore kletterte ein Tibeter auf das indische naturwissenschaftliche Forschungsinstitut, in dem sich Wen gerade zu Besuch aufhielt, um Forderungen nach einem Abzug der Chinesen aus Tibet Nachdruck zu verleihen. Indien ist die letzte Station von Wens Südasien-Reise, die ihn zuvor nach Pakistan, Bangladesh und Sri Lanka geführt hatte.