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Merken   Drucken   24.05.2005, 19:08 Schriftgröße: AAA

Indiens Elite studiert zwischen bengalischen Feldern  

Indiens Institutes of Technology müssen den Vergleich mit US-Elitehochschulen nicht mehr scheuen. Die Ausbildung von qualifizierten Ingenieuren, Informatikern, Medizinern und Chemikern macht es möglich, dass viele Branchen des Landes bereits auf das eigene Know-how zurückgreifen können. von Andrzej Rybak, Kharagpur
Studenten hören eine Vorlesung im Institute of Technology   Studenten hören eine Vorlesung im Institute of Technology
Der Stolz des Forschers findet auf der Fingerkuppe Platz. Nicht einmal fünf mal fünf Millimeter misst der Baseband-Prozessor, der die Datenübertragung in Handys der dritten Generation revolutionieren soll. "Wir könnten schon bald mit der industriellen Fertigung beginnen", sagt Ratna Varada Rajakumar, Professor für Elektronik am Indischen Institut für Technologie (IIT) in Kharagpur. Er ist Chefdesigner des neuen Mikrochips, der den Namen Phönix erhielt.
Phönix ist eins von Dutzenden Projekten, die Indiens führende Technische Hochschule jedes Jahr für staatliche Institute und private Konzerne durchführt. Im Auftrag des Verteidigungsministeriums entwickelte Rajakumar bereits das Sonarsystem für Torpedos, die zur Ausrüstung der indischen Marine gehören. "Wir müssen sie nicht mehr teuer im Ausland kaufen", freut sich der Forscher.
In einer Reihe von Branchen kann Indien heute auf das eigene Know-how zurückgreifen. Das ist das Verdienst einer wachsenden Zahl an hoch qualifizierten Ingenieuren und Informatikern, Medizinern und Chemikern, die mit der wertvollsten Ware der modernen Volkswirtschaft handeln - mit Wissen. Sie lösten einen Wirtschaftsboom aus, der aus dem früheren Armenhaus einen Technologiestandort machte. "Hinter dem indischen Erfolg steht kein Geheimnis", sagt Shishir Dube, Direktor des IIT in Kharagpur. "Es waren Jahre harter Arbeit, bis wir das Niveau der westlichen Hochschulen erreicht hatten."
Angesehene Hochschulen
Mit der Gründung der IIT in Kharagpur, etwa 120 Kilometer westlich von Kalkutta, legte die indische Regierung 1951 den Grundstein für den Wissensboom. Die Hochschule war die erste in einem Netzwerk von Elite-Universitäten, zu dem heute sieben Indische Institute der Technologie, sechs Institute des Managements und ein Institut der Wissenschaft gehören. Die Einrichtungen, die von der Zentralregierung in Delhi finanziert werden, genießen einen exzellenten Ruf. Für die britische "Times" stehen die sieben IIT auf dem vierten Platz der weltbesten technischen Hochschulen, gleich nach den US-Unis Berkeley, MIT und Stanford. Kharagpur gewann 50 nationale und internationale Forschungspreise. Das IIT ist eine feste Größe in der Halbleiterforschung und in der drahtlosen Telekommunikation, es arbeitet auch für das indische Weltraumprogramm und das nationale Atomzentrum.
  • Aus der FTD vom 25.05.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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