Im Jahr 2050 werden rund 70 Prozent der Menschen in Städten leben. Dies stellt die Metropolen der Erde vor große Aufgaben: Sie müssen Energieversorgung, Verkehr, Sicherheit und Versorgung mit Nahrungsmitteln für zig Millionen Einwohner sicherstellen. Lesen Sie, wie Politiker, Wissenschaftler und IT-Unternehmen sich darauf vorbereiten - und welche Lösungen es schon gibt.
Dharavi ist seit Kurzem weltbekannt. Es ist einer von vielen Slums in der indischen Mega-City Mumbai, die früher Bombay hieß. Dort, im größten Elendsviertel der Welt, spielt der Oscar-prämierte Film "Slumdog Millionär". In den Hauptrollen: Laien-Darsteller aus diesem Stadtteil.
Gerade haben Baufirmen die Hütten der Kinder, die im Film die Hauptrollen spielen, abgerissen. Ihre Familien mussten sich Provisorien aus Wellblech bauen. Die von der Regierung versprochenen schönen, neuen Häuser haben sie bis heute nicht gesehen.
Über die Hälfte der Bevölkerung Mumbais lebt in Bretterverschlägen, Wellblechhütten oder ganz auf der Straße. In vielen Mega-Citys der Welt geht es ähnlich zu. Hunger, Kriminalität und Umweltverschmutzung bestimmen das Leben.
Die Hoffnung auf Arbeit, Bildung und bessere Lebensbedingungen hat die Menschen in die Städte gelockt. Im Jahr 2008 lebte zum ersten Mal in der Geschichte die Mehrzahl der Menschen weltweit in Städten. Zurzeit wächst die Stadtbevölkerung auf der Erde pro Jahr um 60 Millionen an.
Die größten Städte der Welt sind heute der Großraum Tokio mit 35 Millionen Einwohnern, danach kommen mit 19 Millionen die Großräume Mexico City, New York, Sao Paulo und Mumbai. Neben den bekannten Mega-Citys entstehen neue Ballungsräume, etwa das chinesische Pearl River Delta, das sich von Hongkong bis nach Guangzhou erstreckt. Im Jahr 2050 werden voraussichtlich 70 Prozent, also 6,4 Milliarden Menschen, in Städten leben.
Nicht nur in den ärmeren Ländern, auch in den Industrienationen zieht es die Bevölkerung in die Städte. Der Hamburger Professor für Stadt- und Regionalökonomie, Dieter Läpple, sieht eine "neue Form städtischer Zentralität und eine neue Attraktivität".
Die gut ausgebildete, jüngere Generation träume nicht mehr vom Eigenheim im Grünen, sondern lebe lieber in der Stadt. So wachsen auch in Deutschland die Dienstleistungsmetropolen Frankfurt am Main, München, Hamburg, Berlin, Dresden und Leipzig nach einer Phase des Schrumpfens oder der Stagnation wieder an.
Deutsche Stadtplaner analysieren deshalb die Entwicklung in den Mega-Citys dieser Welt, um aus deren Fehlern und Erfolgen zu lernen. Forscher, Politiker und Wirtschaftsunternehmen suchen nach technischen und sozialen Lösungen, um den wachsenden Anforderungen an Infrastruktur, Verkehrssysteme, Energieversorgung, Bildungseinrichtungen und die medizinische Versorgung auch künftig gerecht zu werden.
Zum Beispiel beim Kongress "Smarter Cities" vom 23. bis 24. Juni in Berlin, in dem internationalen Netzwerk "Mega City Task Force" an der Universität Köln oder im Berliner Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung.
Die enormen Probleme der heute bereits existierenden Mega-Citys kommen in absehbarer Zeit auf alle wachsenden Großstädte zu. In Nairobi zum Beispiel werden nur 25 Prozent des Mülls gesammelt und entsorgt. In vielen Großstädten Südamerikas, Asiens und Afrikas besteht die Wirtschaft aus Wildwuchs. Ein Großteil der Beschäftigten arbeitet ohne Vertrag und soziale Sicherung.
Teil 2: Marode Wasserleitungen