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  Intelligente Stadt FTD-Serie: Lebensqualität für Millionen

Im Jahr 2050 werden rund 70 Prozent der Menschen in Städten leben. Dies stellt die Metropolen der Erde vor große Aufgaben: Sie müssen Energieversorgung, Verkehr, Sicherheit und Versorgung mit Nahrungsmitteln für zig Millionen Einwohner sicherstellen. Lesen Sie, wie Politiker, Wissenschaftler und IT-Unternehmen sich darauf vorbereiten - und welche Lösungen es schon gibt.

Merken   Drucken   08.06.2009, 07:53 Schriftgröße: AAA

Intelligente Städte: Zwischen Dürre und Flut

In dicht bevölkerten Regionen ist Wasser oft ein Problem. Entweder herrschen Mangel und Verunreinigung, oder Hochwasser richten regelmäßig großen Schaden an. Intelligente Technik hilft von Lars Reppesgaard
In den Megastädten Indiens gilt nicht nur Champagner als Luxus-Gesöff, sondern zunehmend auch sauberes Wasser. Der Yamuna-Fluß, der durch Delhi fließt, ist die längste Zeit des Jahres kaum mehr als ein schwärzliches Rinnsal. Im Morgengrauen muss er die Toiletten und Abwasserleitungen ersetzen.
Diese sind zwar in Luxushotels und in den Stadtteilen, in denen sich die prestigeträchtigen Regierungsgebäude befinden, selbstverständlich. In vielen der dicht bebauten, ärmlichen Stadteile aber fehlen sie. Tagsüber waschen Frauen ihre Wäsche im Fluss. Wassertransporter, die Trinkwasser in die Quartiere ohne Wasserleitungen bringen, füllen dort ihre Tanks auf.
Delhi zählt 17 Millionen Einwohner, die Hälfte von ihnen lebt in Slums. Dort gibt es keine Kanalisation, Handpumpen oder Tankwagen stellen die Wasserversorgung sicher. Dass es vielen Teilen der indischen Hauptstadt an Wasser fehlt, liegt aber nicht daran, dass dieses Gut in diesem Teil der Welt knapp ist. "Pro Kopf stehen jedem Einwohner 250 Liter zur Verfügung, so viel wie nirgends sonst in Indien", sagt Stadtentwicklungsexperte Surinder Aggarwal, Professor an der Universität von Delhi. "Dass bestimmte Bereiche der Gesellschaft keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, ist eine Frage der Verteilung und des Wassermanagements."
Regierung setzt auf Staudämme
Rund 2600 Millionen Liter Wasser fördern Wasserwerke und Pumpstationen täglich, erklärt das zuständige Delhi Jal Board (DJB). Doppelt so viel würde gebraucht, aber 40 Prozent des Wassers gehen täglich durch undichte Leitungen oder durch die Vermischung mit Abwasser verloren.
Das 9000 Kilometer lange Leitungsnetz ist an vielen Stellen undicht und wird von vielen Einwohnern illegal angezapft. Auch die Haushalte, die offiziell ans Wassernetz angeschlossen sind, zahlen oft nichts. Fast ein Viertel der Verbraucher habe keinen Wasserzähler, heißt es in einem DJB-Bericht. Der Stadt entgehen damit Jahr für Jahr fast 350 Mio. Euro.
Dabei gibt es etliche technische Neuerungen, die einer Megastadt wie Dehli helfen könnten. Intelligente Wasserzähler, die den Verbrauch eines Haushalts genau messen und detaillierte und faire Rechnungen ermöglichen. Sensoren, die den Zustand von Rohrleitungen an kritischen Stellen überwachen. Datenbanken, in denen diese Informationen zusammenfließen.
"Noch entscheiden sich viele Regierungen lieber für spektakuläre Großprojekte wie einen neuen Staudamm, um Wasserprobleme zu lösen", sagt Aggrawal. "Das macht politisch mehr her."
Wachstumsmarkt Wassermanagement
Doch diese Art der Problemlösung stoße angesichts des weltweiten Städtewachstums ohnehin bald an ihre Grenzen, sagt Aggrawal. Dass die Kanalisation nicht mithalten kann, zeigt sich in der chinesischen Industriemetropole Guangzhou ebenso wie in der peruanischen Hauptstadt Lima. Dort fallen gerade mal 13 Millimeter Niederschlag im Jahr.
Für Experten wie Aggrawal ist klar, dass es in den meisten Fällen mehr bringt, den Pro-Kopf-Verbrauch zu senken und die Wasser-Infrastruktur auszubauen, als neue Quellen zu erschließen, etwa durch immer tiefere Grundwasserbohrungen.
Für Wirtschaftsunternehmen ist das eine gute Nachricht, denn ohne Investitionen in Hightech-Lösungen wird das kaum zu machen sein. 290 Mrd. Euro sollen sich auf dem Markt der Wasserver- und -entsorgung umsetzen lassen, schätzen beispielsweise Experten bei Siemens in München. Und die Megastädte werden nicht die einzigen Kunden bleiben. Großstädte in aller Welt wachsen, und marode Leitungen erschweren auch in Industrieländern die Versorgung von Millionen von Menschen mit Trinkwasser.

Teil 2: Die Infrastruktur der Zukunft

  • FTD.de, 08.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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