FTD Russlands künftiger Präsident
Dmitri Medwedew gilt im Westen als Liberaler. Was erwarten Sie von ihm?
Anders Aslund Man muss sich angucken, wer hinter ihm steht. Das sind zum einen kremlnahe Oligarchen wie Roman Abramowitsch und Oleg Deripaska, andererseits Reformer wie Finanzminister Alexej Kudrin und Anatoli Tschubais. Das ist ein gutes Zeichen. Zudem kommt Medwedew nicht aus dem KGB und hat bisher auf aggressive Signale verzichtet.
FTD Wird er sich denn gegen die Geheimdienstfraktion im Kreml durchsetzen können?
Aslund Das ist die große Frage. Putin hat angedeutet, es werde eine Säuberung an der Spitze geben. Bisher ist aber in dieser Hinsicht nichts passiert. Stattdessen tobt im Hintergrund ein Streit zwischen verschiedenen Geheimdienstfraktionen, der noch gar nicht entschieden ist. Medwedew hat sich aus allen Machtkämpfen herausgehalten. Es dürfte ihm daher schwerfallen, sich als Präsident Autorität zu erarbeiten.
FTD Wie beurteilen Sie das wirtschaftliche Erbe, das Präsident Wladimir Putin hinterlässt?
Aslund Putins größte Leistung bestand darin, dass er lange an einem Kurs der makroökonomischen Stabilität festgehalten hat. Doch genau diesen Kurs hat er Ende vergangenen Jahres aufgegeben. Die Regierung hat ihre Ausgaben deutlich gesteigert und setzt das auch fort. Das treibt die ohnehin zunehmende Inflation. Die Preissteigerung macht den Menschen Sorge und kann zu einer politischen Gefahr für den kommenden Präsidenten werden.
FTD Wird es ein Tandem aus Putin und Medwedew geben?
Aslund Dass Putin nach dem Amtsantritt Medwedews auf Dauer Ministerpräsident bleibt, kann ich mir nur schwer vorstellen. Es ist ein harter und undankbarer Job, in dem man darüber hinaus sehr angreifbar ist. Wichtigstes Ziel Putins ist es, Medwedew ins Amt zu geleiten. Man sollte diese Rollenverteilung daher nicht allzu ernst nehmen.