Die mexikanische Zentralbank will ihren spektakulären Goldkauf nicht als Misstrauensvotum gegen den Dollar verstanden wissen. "Es gibt keinerlei Zusammenhang mit den Zweifeln am Dollar als Reservewährung", sagte Agustín Carstens, Gouverneur der Banco de México, im FTD-Interview in Helsinki am Rande einer Konferenz der finnischen Zentralbank. "Unser Festhalten an Dollarbeständen wird dadurch in keiner Weise berührt."
Die Banco de México hatte im ersten Quartal dieses Jahres den drittgrößten Goldkauf des vergangenen Jahrzehnts getätigt und mehr als 100 Tonnen des Edelmetalls gekauft. Das entspricht 3,2 Millionen Unzen und einem Wert von über 4 Mrd. Dollar. Bis Ende Januar hatte die Zentralbank der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas nur 6,8 Tonnen Gold gehalten. Transaktionen der Notenbanken werden am Goldmarkt genau beobachtet, da deren Kaufverhalten eine der wichtigsten Determinanten für den Goldpreis ist: Seit 2009 sind die Notenbanken weltweit wieder Nettokäufer von Gold, nachdem sie zuvor zwei Jahrezehnte lang auf der Verkäuferseite standen.
Vor allem von einer starken Goldnachfrage durch die Zentralbanken in aufstrebenden Schwellenländern versprechen sich Goldinvestoren auch künftig steigende Kurse. Ihr Kalkül: Immer mehr Zentralbanken seien auf der Suche nach liquiden Alternativen zum US-Dollar, der noch immer die wichtigste Reservewährung ist.
Carstens' Äußerung widerspricht allerdings Markteinschätzungen, denen zufolge das weltweit schwindende Vertrauen in den Wertbestand und Reservecharakter der US-Währung hinter der mexikanischen Kaufentscheidung steht. Diese Einschätzungen werden dadurch bestärkt, dass sich auch andere wichtige Schwellenländer wie Russland, China und Indien mit großen Mengen an Gold eingedeckt haben. Der Preis für das Edelmetall hat seit 2001 in jedem Kalenderjahr zulegen können und hat auch 2011 in der Spitze um elf Prozent zugelegt. Eine Unze kostet derzeit 1495 Dollar, das Ende April erzielte Rekordhoch liegt bei 1565 Dollar. Der Dollar hat dagegen gegenüber einem Korb der anderen wichtigen Währungen der Welt etwa 7,6 Prozent verloren.
Teil 2: Dollar-Status schwindet