Zulegen konnte weiterhin das produzierende Gewerbe: Ohne die Finanzbranche stiegen die Investitionen um 4,47 Prozent auf 63,02 Mrd. $. Die Nachrichtenagentur Xinhua zitierte Handelsminister Bo Xilai mit der Aussage, dass die Jahresbilanz den Negativtrend des ersten Halbjahres umgekehrt habe.
Die Betonung des positiven Trends bei den Investitionszahlen soll offenbar nach außen demonstrieren, dass China nach wie vor das Vertrauen internationaler Investoren genießt. Doch ist das Investitionsvolumen für Chinas Wirtschaftsentwicklung längst nicht mehr ausschlaggebend, meinen Experten. Auch mit knapp 70 Mrd. $ realisierter Zuflüsse bleibt das Land an der Weltspitze. Auch leidet China nicht an Kapitalknappheit. Dazu kommt, dass dem leichten Rückgang der Gesamtsumme ein steiler Anstieg im Vorjahr vorangegangen war. Nach der Öffnung des Finanzsektors für ausländische Investitionen hatten sich die Kapitalzuflüsse nach Daten der United Nations Conference on Trade and Development (Unctad) 2005 sprunghaft von 60,6 Mrd. $ auf 72,4 Mrd. $ erhöht.
"Die Höhe der Investitionen ist nicht mehr entscheidend für China", meint Margot Schüller, Ökonomin am Institut für Asien-Studien in Hamburg. "Wichtiger ist der damit verbundene Technologietransfer."
Es müsse mehr getan werden, um die Qualität der Investitionen zu verbessern, forderte die für Handelsfragen zuständige Vize-Ministerpräsidentin Wu Yi. Der größte Teil des Auslandskapitals wandert nach wie vor in exportorientierte Leichtindustrie-Fabriken. Nach einem Bericht der Chinesischen Akademie für Wissenschaften (CAS) exportierten auslandsfinanzierte Unternehmen in China in den ersten drei Quartalen 27,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. China profitiere davon nicht genug und brauche mehr Investitionen in Hochtechnologie und Dienstleistungen, kritisieren Experten. Während die Regierung Steuervorteile für Investoren in produzierenden Sektoren auslaufen lassen will, möchte sie ausländisches Engagement in Umweltschutz, Energieeffizienz und Forschung stärker fördern.
Der CAS-Bericht moniert wachsende Anteile von Steueroasen im Mix der Herkunftsländer. In den letzten Jahren rückten die britischen Jungferninseln auf Nummer zwei hinter Hongkong auf, die Cayman Islands und Samoa in die Top zehn. Dahinter verbergen sich nach Ansicht von Experten Investitionen von Auslandschinesen oder reinvestiertes Kapital von Festlandsunternehmern, das in den Genuss von Steuervorteilen für Auslandsinvestitionen kam.
Spekulatives Geld erzeugt Blasen im Immobiliensektor und treibt die enormen Devisenreserven weiter in die Höhe. Da dies den Aufwertungsdruck auf den Renminbi erhöht, fördert China den Gang heimischer Firmen nach Übersee. Die Auslandsinvestitionen aus China sind 2006 um 32 Prozent auf 16,1 Mrd. $ gestiegen.