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Der größte Gewinner des Arabischen Frühlings, das machte der Emir des winzigen Golfstaats Katar bei diesem Besuch erneut deutlich, sind nicht die liberalen Demokraten, die die Revolutionen in Tunesien und Ägypten Anfang 2011 angestoßen hatten. Es sind auch nicht die Islamisten, die in der Folge Wahlen gewannen. Den Wandel am besten nutzte ein Monarch, um seinen eigenen Einfluss auszuweiten: Hamad Bin Chalifa Al Thani.
Am Dienstag stellte der Scheich erneut seinen Einfluss, sein Geld und sein diplomatisches Geschick zur Schau. Als erster ausländischer Staatschef seit der blutigen Machtübernahme der radikalislamischen Hamas 2006 besuchte er den Gazastreifen. Mehrere Hundert Millionen Dollar will er in den "Wiederaufbau" des übervölkerten und unterentwickelten Palästinensergebiets stecken. Dafür hängt die diplomatisch weitgehend isolierte Hamas-Regierung in ihrem Herrschaftsgebiet riesige Plakate mit dem Konterfei des Golfherrschers auf. Der Slogan "Danke Katar, du hast dein Versprechen erfüllt". Soll heißen - im Gegensatz zu allen anderen arabischen und islamischen Führern, die die Palästinenser im Gazastreifen vergessen hätten.
Selbst der neue islamistische Präsident Ägyptens, der Muslimbruder Mohammed Mursi oder etablierte islamistische Führer wie der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan wagten es bisher nicht, den international anerkannten Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas und damit die USA und den gesamten Westen vor den Kopf zu stoßen und die Hamas zu besuchen.
Scheich Hamad dagegen bekommt noch ein ausdrückliches Lob von Abbas, dessen Autonomiebehörde vom katarischen Geld ebenso abhängig ist wie inzwischen die Hamas und in geringerem Maße sogar Ägypten. Kairo konnte es sich kaum erlauben, dem Emir die Bitte auszuschlagen, für dessen Bauprojekte die Grenze nach Gaza erstmals für den Güterverkehr zu öffnen. Bislang wurde das vehement abgelehnt - einerseits wegen Sicherheitsbedenken und andererseits aus Furcht, Israel könne die gesamte humanitäre Verantwortung für den Gazastreifen auf Ägypten abwälzen.
Die Machtbasis des Scheichs ist der Öl- und Gasreichtum seines Landes. Doch der Herrscher, der per Putsch gegen den eigenen Vater ins Amt kam, setzt das Geld seit Jahren geschickter ein als viele seiner arabischen Amtsbrüder. Er investierte zu deren Entsetzen geschätzte Milliarden in den relativ unabhängigen Nachrichtensender al-Dschasira. Als einer der ersten arabischen Herrscher unterstützte Hamad offen die Rebellen in Libyen und dann Syrien- mit Geld, diplomatischer Unterstützung und, wie viele Beobachter annehmen, auch mit Waffen. Der Syrien-Konflikt brachte Katar auch dadurch neuen Einfluss, dass das Land der Hamas Unterschlupf gewährte, als sie ihre Exilführung aus der syrischen Hauptstadt Damaskus abziehen musste.
Hamad investierte Millionen in Kultur- und internationale Dialogprojekte. So verschaffte er sich Anerkennung im Westen. Gleichzeitig hielt er stets gute Verbindung zur islamistischen Muslimbruderschaft und verschaffte sich damit Achtung in konservativen islamischen Kreisen. In fast allen Konflikten der arabischen Welt vom Libanon bis zum Sudan tritt Katar inzwischen als Vermittler auf. Für den Emir fallen dabei oft öffentlichkeitswirksame Versöhnungsfotos in seiner Hauptstadt Doha mit händeschüttelnden Konfliktparteien ab.
Doch trotz aller Investitionen: Auch der Scheich kann nicht garantieren, dass seine Friedensinitiativen Erfolg haben. Das gilt vor allem für die Palästinenser. Deren rivalisierende Führer Abbas von der Fatah-Partei und Chalid Maschal von der Hamas haben bereits mehrmals mit katarischer Vermittlung das Ende der Spaltung beschlossen. Keines der Abkommen wurde je in die Tat umgesetzt.