Trotzdem sind die Boykottbeschlüsse konsequent und nachvollziehbar. Zu lange hat sich die internationale Gemeinschaft beim iranischen Atomprogramm vertrösten lassen in der Hoffnung, die Iraner würden ihre nuklearen Ambitionen zügeln. Das Gegenteil war der Fall: Auch wenn der Iran stets die rein zivile Nutzung seines Atomprogramms betont, sprechen alle Indizien für militärische Absichten, zuletzt der Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde. Unwahrscheinlich, dass deren nächster Besuch im Iran Ende Januar beruhigendere Nachrichten zeitigen wird.
Mit ihren Iran-Beschlüssen ziehen die Europäer aber auch ein zweischneidiges Schwert. Denn der Druck von außen hilft dem Regime in Teheran, von der desaströsen Lage im Inneren abzulenken. Das liegt auch an der Geschichte des Landes. Schon 1951 gab es einen internationalen Ölboykott und danach einen CIA-Putsch. Seither ist die ausländische Verschwörung ein beliebter Popanz in der iranischen Politik. Und kaum einer im Iran, schon gar kein Kandidat bei den Parlamentswahlen im März, wird es sich leisten können, Kompromissbereitschaft in Sachen Atomprogramm zu zeigen. Einer - über alle Lager hinweg verbindenden - Angelegenheit von nationalem Prestige.
Nicht ohne Grund weist Schwedens Außenminister Carl Bildt denn auch darauf hin, dass Sanktionen allein nicht die Lösung sein können. Es braucht das wirklich internationale Vorgehen gegen das iranische Atomprogramm, eine Isolation, die nicht nur als vom Westen initiierte angesehen werden kann. Doch dazu müssten vor allem Russland und China von der Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens überzeugt werden.