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Merken   Drucken   24.10.2006, 14:27 Schriftgröße: AAA

Iran könnte ab 2015 Atombombe bauen

Der Iran wird nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes (BND) frühestens 2015 über eine Atombombe verfügen. Der Direktor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Mohammed El Baradei, warnte vor Sanktionen gegen den Iran und Nordkorea.
Mohammed El Baradei warnte vo Sanktionen gegen Nordkorea und den Iran   Mohammed El Baradei warnte vo Sanktionen gegen Nordkorea und den Iran
Eine präzise Abschätzung des Zeitpunkts sei schwierig, sagte BND-Chef Ernst Uhrlau bei einer Sicherheitskonferenz der Zeitung "Welt am Sonntag" am Dienstag. Nach dem bisherigen Tempo bei der Anreicherung dürfte die islamische Republik aber nicht vor 2010 über eine ausreichende Menge hoch angereicherten Urans verfügen, mit dem Atomwaffen hergestellt werden könnten. Eine Atombombe könne das Land dann ab 2015 besitzen.
Der Iran widersetzt sich der Forderung der internationalen Staatengemeinschaft, auf die Anreicherung von Uran zu verzichten. Der Westen vermutet, dass der Iran unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms heimlich an der Entwicklung von Nuklearwaffen arbeitet. Der Iran hat dies zurückgewiesen und mitgeteilt, das Programm diene rein friedlichen Zwecken.
Iran will Urananreicherung beschleunigen
Nach Angaben der IAEA testet der Iran technische Ausrüstung zur Beschleunigung seiner Urananreicherung. Seit Februar, als Teheran einen Durchbruch bei der Urananreicherung feierte, habe der Iran nur mit einer so genannten Kaskade von 164 Zentrifugen gearbeitet, berichtete die "New York Times".
Das Blatt zitierte El Baradei mit den Worten: "Nach unseren jüngsten Inspektionen ist die zweite Zentrifugen-Kaskade fertig und einsatzbereit." Noch sei kein Uran in das neue System geleitet worden, doch dies könnte bereits in der nächsten Woche geschehen. Allerdings würde es dem Zeitungsbericht zufolge auch mit zwei Kaskaden Jahre dauern, bis der Iran genug angereichertes Uran für eine Atombombe hätte.
IAEA-Chef warnt vor Sanktionen gegen Iran und Nordkorea
Sanktionen könnten die Vertreter einer harten Linie in beiden Ländern stärken, sagte El Baradei in einer Rede an der Georgetown-Universität in Washington. Er sei noch nicht überzeugt, dass der Iran Atomwaffen entwickle, und er glaube, dass eine Vereinbarung mit Nordkorea über dessen Atomprogramm möglich sei.
"Wenn man einmal mit dem Verhängen von Strafen anfängt, bringt es die Vertreter einer harten Linie ans Ruder", sagte El Baradei. Er äußerte zudem generelle Zweifel, dass Sanktionen funktionieren. Wenn dieses Instrument aber in die Hand genommen werde, dann "muss dies maßvoll getan werden, um eine Verhaltensänderung zu bewirken".
Zugleich müsse es mit dem Bemühen verbunden werden, die beiden Staaten in einen Dialog einzubinden. "In allen diesen Angelegenheiten ist ein Dialog unverzichtbar", sagte El Baradei.
Den von Nordkorea verkündeten Atomtest charakterisierte El Baradei als Hilferuf, weil Nordkorea keine substanziellen Sicherheitsgarantien von den USA erhalten habe. Die Internationale Gemeinschaft müsse alte Herangehensweisen hinter sich lassen und müsse herausfinden "wie wir die Herzen und das Denken" jener Länder verändern können, die darauf erpicht sind, die sensitive Atomtechnik zu entwickeln. Zum Iran sagte El Baradei, es sei noch kein klares Urteil gefällt, ob der Iran Atomwaffen entwickle. Außerdem habe der Fall Libyen gezeigt, dass ein Land solche Ambitionen auch aufgeben könne. Es gebe beim Iran noch Zeit und Möglichkeiten für Verhandlungen.
  • FTD.de, 24.10.2006
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