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Merken   Drucken   25.06.2009, 14:36 Schriftgröße: AAA

Iran: Schattenkabinett der Volkskrieger  

Hoffnungsvoll beobachten Exil-Iraner im Irak den Aufruhr in ihrer Heimat. Manch einer träumt in der Wüste vor Bagdad schon vom Regierungsamt in Teheran. von Birgit Svensson
Rochsareh sieht nicht aus wie eine Terroristin. Die kleine Frau trägt einen dunkelgrauen Hosenanzug und deutet auf einen unscheinbaren Bungalow am Eingang von Camp Aschraf. "Man gab uns diesen Wüstenstreifen mit nur einem Haus", sagt sie. Heute stehen unzählige Bauten auf dem fast 40 Quadratkilometer großen Gelände, ein Krankenhaus, Werkstätten, Herbergen für Gäste, Parks und Grünanlagen, eine Moschee. Friedlich wirkt diese Anlage mitten in der irakischen Wüste - wären da nicht Stacheldraht, Sandsäcke und schwer bewaffnete irakische Sicherheitskräfte, die kaum jemanden zu dem Areal durchlassen.
Aschraf ist das Lager der Volksmudschaheddin, einer iranischen Widerstandsgruppe, die in vielen europäischen Ländern als Terrorgruppe gilt und bis zu Beginn des Jahres auch von der EU als solche gelistet war. Das Saddam-Regime holte die Mudschaheddin in den Irak. Ende der 80er-Jahre konnte Vizepräsident Tarek Asis im Krieg gegen den Iran jede Hilfe gebrauchen. Er gab ihnen militärische Ausrüstung, Waffen und Munition, um gegen das verhasste Regime in der Heimat zu kämpfen. Tausende Iraner sollen sie getötet haben.
Seit Jahren warten sie darauf, vom Camp Aschraf in den Iran zu marschieren - und angesichts des Aufruhrs gegen die Präsidentschaftswahl im Iran sehen sie sich dem Ziel so nah wie nie. Es gäbe genug oppositionelle Kräfte im Iran, die die Wende herbeizuführen könnten, wenn man sie nur genügend unterstützt, sagt Behsad Safari, der Schattenminister für Information in der selbst ernannten iranischen Opposition. Fleißig bereitet er sich im Exil auf seine Amtsübernahme in Teheran vor.
Schließlich hatte man es sich doch genauso vorgestellt. Aus dem Volk heraus wird das iranische Regime gestürzt, ohne Invasion der USA. Ganz wie 1979, als der Schah verjagt wurde. Viele der Menschen, die jetzt im Iran auf die Straße gehen, seien Sympathisanten der Volksmudschaheddin, da ist Safari sich ganz sicher. Doch die Gruppe ist unter den Demonstranten in Teheran sehr umstritten.
Im Lager ist ein mit modernster Technik ausgestatteter IT-Raum entstanden, wo Propagandamaterial gegen den Iran zusammengestellt und verschickt wird. Über einen weit verzweigten Verteiler werden Pressemitteilungen und Newsletter erstellt, Internetseiten ausgewertet und Nachrichten zusammengetragen. In Deutschland stehen die Geldsammler der Mudschaheddin damit bundesweit in den Fußgängerzonen. Behsad Safari klagt die westlichen Regierungen an, dass sie lange nicht wahrhaben wollten, was im Iran abläuft.
Für seine Gruppe aber gibt es mittlerweile ein ganz anderes Problem. Die schiitisch dominierte Regierung des Irak hat die gut 2000 Einwohner von Camp Aschraf zu unerwünschten Personen erklärt. Lieber heute als morgen will sie die Iraner loswerden. Je mehr Einfluss der Iran im Irak gewinnt, desto bedrohlicher wird die Lage für die Volksmudschaheddin. Erst kürzlich wurde eine iranische Drohne über dem Lager gesichtet. Zwei Bewohner des Camps wurden in Bagdad erschossen, als sie sich mit amerikanischen Regierungsvertretern treffen wollten.
Ganz nach dem Muster der irakischen Oppositionsbewegung in London, die einst Saddam zu stürzen half, belieferten die iranischen Volkskrieger die Amerikaner mit Material über den Iran. Über Waffen und Sprengsätze mit iranischer Kennzeichnung, die im Irak gegen die Besatzungstruppen eingesetzt werden, über Schmuggelwege von ausländischen Terroristen. Damit rannten sie bei Präsident George W. Bush offene Türen ein, als er den Iran auf der "Achse des Bösen" verortete. Als "unsere Terroristen" bezeichnete sie ein CIA-Beamter.
Doch der Wind hat sich gedreht, und der neue Präsident Barack Obama verspricht eine gemäßigtere Haltung gegenüber dem Iran. Die USA führen die Mudschaheddin nach wie vor auf ihrer Terrorliste. Viel Hilfe aus Washington können sie nach Abzug der USA im kommenden Jahr nicht erwarten.
"Wir werden sie nicht an Teheran ausliefern", sagte der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki. "Aber sie haben keinen Platz im Irak."
  • Aus der FTD vom 26.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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