Großritannien Außenminister Hague malt ein Schreckensszenario an die Wand. Seiner Ansicht droht in der Region wegen der iranischen Atompläne ein Wettrüsten wie in den Zeiten des Ost-West-Konflikts. Nur gebe es keine Sicherheitsmechanismen.
Der britische Außenminister William Hague hat mit Blick auf das iranische Atomprogramm vor einem nuklearen Wettrüsten im Nahen Osten gewarnt. Der Iran lasse keinen Zweifel daran, dass er eine Atombombe bauen wolle, sagte er der Zeitung "The Daily Telegraph". Er halte ein neues atomares Wettrüsten wie im Kalten Krieg zwischen Ost und West für möglich. Allerdings fehlten die Sicherheitsmechanismen, wie sie damals zwischen dem Westen und der Sowjetunion wirksam gewesen seien.
Die iranische Regierung wird verdächtigt, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung von Atomenergie ein Programm zum Bau von Kernwaffen zu betreiben. Der Iran hat eine militärische Ausrichtung stets bestritten. Versuche die Führung in Teheran mit Sanktionen zum Einlenken zu bringen, waren bislang vergeblich.
Der britische Außenminister William Hague
"Wenn sie an der nuklearen Option festhalten, dann glaube ich, dass auch andere Staaten im Nahen Osten Atomwaffen entwickeln werden", sagte Hague. "Dann wäre die gefährlichste Phase der atomaren Aufrüstung seit der Erfindung der Atombombe erreicht, mit all ihren destabilisierenden Effekten in Nahost."
In Israel wird offen über einen Angriff auf die iranischen Atomanlagen diskutiert, was die Sorgen vor einem militärischen Alleingang des jüdischen Staats gegen seinen islamischen Erzfeind vergrößerte. Hague machte deutlich, dass Großbritannien derzeit noch auf Verhandlungen und Sanktionen setze. "Wir favorisieren im Moment nicht die Idee, dass irgendjemand den Iran angreift." Großbritannien habe allen Beteiligten sehr deutlich gemacht, "dass wir militärisches Handeln nicht unterstützen", sagte er. Dennoch müssten grundsätzlich "alle Optionen" auf dem Tisch bleiben. Hague betonte, er sehe im Nahen Osten eine Krise heraufziehen, die in einem Desaster für die internationalen Politik enden könne.
Der Iran hatte zuletzt damit begonnen, Teile seiner umstrittenen Urananreicherung in eine unterirdische Bunkeranlage zu verlegen. Die USA und die Europäische Union verschärften daraufhin ihre Sanktionen gegen die Islamische Republik drastisch und erließen umfangreiche Strafmaßnahmen gegen den Öl- und Finanzsektor des Landes. Zuletzt signalisierte die iranische Regierung in einem Brief an die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton ihre Gesprächsbereitschaft, ohne jedoch in die Details zu gehen.
Es gebe wachsende Besorgnis, dass der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sich von Wirtschaftssanktionen nicht abschrecken lasse, sagte Hague. Großbritannien befürworte deshalb eine doppelgleisige Strategie mit Sanktionen und Druck auf der einen Seite und Verhandlungen auf der anderen Seite.
US-Präsident Barack Obama entsandte unterdessen seinen nationalen Sicherheitsberater Tom Donilon zu Gesprächen nach Israel. Themen des zweitägigen Aufenthalts seien vor allem der Iran und Syrien, teilte das US-Präsidialamt mit. Obama hatte kürzlich erklärt, er glaube noch nicht, dass die israelische Regierung schon eine Entscheidung getroffen habe, wie sie auf die iranische Bedrohung reagieren wolle.
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