Fatemeh wiegelt ab, wenn man sie nach dem Einfluss der Revolutionsgarde auf die Wahl im Iran fragt. Man sage den einfachen Wählern ja nicht von sich aus, dass sie "Herrn X oder Herrn Y" wählen sollen, sagt sie. "Nur wenn Leute nach Rat fragten, helfen wir ihrer Einsicht etwas nach." Die 46-jährige Frau aus der Teheraner Satellitenstadt Hassan-Abad ist die Kommandeurin von Hunderten iranischer Frauen, die freiwillig im Frauencorps der Basidsch-Miliz der iranischen Elitetruppe dienen. Sie sind Auge und Ohr der Islamischen Republik. In ihren Reihen holte sich auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad seinen politischen Schliff.
Mit ihren Mitstreiterinnen ging Fatemeh in dieser Woche auf die Straße und demonstrierte für die Vereinigte Front der Prinzipientreuen, das Bündnis der konservativen Hardliner, das am heutigen Freitag bei den Parlamentswahlen gegen das konkurrierende konservative Lager und die Reformkräfte antritt. Es wird von Parlamentspräsident Golam Ali Haddad Adel geführt und ist auch Heimat für die Unterstützer Ahmadinedschads. "Es ist unsere religiöse Pflicht, die Regierung zu unterstützen und das Land nicht in die Hände von Fremden fallen zu lassen", sagte Fatemeh, die von Kopf bis Fuß in schwarzes Tuch gehüllt ist.
Die Basidsch verfügen mit ihren rund zwölf Millionen Mitgliedern und rund 70.000 Stützpunkten in Regierungsorganisationen, Moscheen und Universitäten über ein schlagkräftiges Netzwerk. Eigentlich verbietet die iranische Verfassung militärischen Organisationen den Eingriff in politische Prozesse. Die Arbeit der Miliz galt aber als maßgebend, um Ahmadinedschad 2005 an die Macht zu bringen. Nun könnte sie helfen, sie zu erhalten.
Aus der Revolutionsgarde, die einst zur Sicherung der islamischen Revolution von 1979 geschaffen wurde, ist das Rückgrat der politischen Struktur und der größte Player in der iranischen Wirtschaft geworden. "Unter dem Banner der wirtschaftlichen Privatisierung umging die Regierung das Gesetz, um staatliche Firmen unter Marktpreis an die Revolutionsgarde abzutreten", sagt Mehdi Khalaji vom Washington Institute for Near East Policy. Die Garde engagiere sich einerseits in legalen Geschäften, bilde aber auch Tarnfirmen, um damit Sanktionen zu umgehen.
Mohsen Sazegara, einst Gründungsmitglied der Revolutionsgarde, nennt die Organisation seit seiner Flucht in die USA eine "mafiaähnliche Organisation". Die Garde habe ihre Macht wirtschaftlich bereits unter den früheren Präsidenten Mohammed Chatami und Haschemi Rafsandschani aufgebaut, sagt Hassan Shariatmadari, Generalsekretär der oppositionellen Iranischen Nationalrepublikaner, der im Exil in Hamburg lebt. Vor allem seit der Wahl Ahmadinedschads greife sie auch nach politischer Macht - "wie bei einem Militärputsch, nur langsamer".
Dabei wird die Revolutionsgarde mit ihren Schlüsselpositionen in Politik und Wirtschaft auch dem religiösen Establishment immer gefährlicher. "Quantitativ lässt sich definitiv festmachen, dass der Anteil des Klerus zurückgeht und der Anteil derer steigt, die aus Nachrichtendienst und Garde kommen", sagt eine deutsche Beobachterin, die den Aufstieg der Organisation in Teheran verfolgt hat. "Sie sind durch die Institutionen gewandert wie bei uns die 68er."
Dabei wurde die Macht des Präsidenten deutlich ausgeweitet. Doch auch Konkurrenten Ahmadinedschads wie der ehemalige Atomunterhändler Ali Laridschani, machten ihre ersten politischen Schritte als Revolutionsgardisten. Nach wie vor stützt die Garde auch den obersten religiösen und politischen Führer Ajatollah Ali Chamenei. "Chamenei ist kein charismatischer Führer, er braucht die militärische Unterstützung", sagt der Exiliraner Shariatmadari.