Der Ausbund des Bösen hat kaum Kerne, ist wohlschmeckend süß und leicht zu schälen. Teherans Bürger kauften die Orangen-Pampelmusen-Züchtung der Marke Jaffa gern - bis iranische Beamte misstrauisch wurden. Wie der Markenname bereits verrät, ist das Obst zionistisches Teufelszeug. Die Pampelmusen bringen schon seit einigen Tagen Bürger und staatliche Autoritäten in Wallung. Die Behörden konfiszierten sämtliche Bestände und drohten mit rechtlichen Konsequenzen. Während die Händler nun stapelweise auf Kisten mit politisch ungenießbarem Obst sitzen bleiben, werfen ranghohe Politiker des islamistischen Regimes der Opposition sogar eine "Verschwörung" vor, ein Pampelmusen-Komplott.
Offiziell ist in dem Gottesstaat der Handel mit Israel streng verboten. Weder direkt noch indirekt dürfen Produkte aus dem "zionistischen Gebilde" importiert werden. Umgekehrt lehnt auch Israel Geschäfte mit dem Mullah-Staat ab und wirft etwa Deutschland und der Schweiz vor, noch immer regen Handel mit dem Iran zu treiben. Der Druck auf Teheran, das Nuklearprogramm zu beenden, würde dadurch gemindert, klagt Jerusalem.
Produktfälscher unter Verdacht
Im Fall der feindlichen Pampelmusen stehen jetzt notorische Produktfälscher aus China unter Verdacht, denn auf den beschlagnahmten Kisten steht deutlich "Made in China". Entweder waren die Chinesen also dämlich genug, ein Label zu fälschen, das im Iran verboten ist. Oder aber sie haben tatsächlich israelische Früchte über Dubai in den Iran verschifft, die ursprünglich für Japan und Südkorea gedacht waren.
Wie genau die verbotenen Früchte in den Iran gelangt sind, werden nun die Wächter des Gottesstaates klären. Die Behörden haben eine gründliche Untersuchung angekündigt. Dass der gegenseitige Boykott in Zeiten der Globalisierung eine Farce ist, steht allerdings schon länger fest. In vielen iranischen Computern stecken Bauteile aus Israel. Persische Pistazien wiederum werden über die Türkei nach Israel geschmuggelt. In der Jerusalemer Altstadt bieten Händler handbedruckte Stoffe aus der iranischen Stadt Isfahan feil, die wahrscheinlich über Jordanien eingeschleust wurden. Und Erdölexperten räumen ein, dass es auch bei auf dem Weltmarkt eingekauftem Öl vorkommen kann, dass es aus dem Iran stammt.
So bleibt den empörten Iranern zumindest ein kleiner Trost: Wenn es möglich war, Zitrusfrüchte aus den Gärten des Satans in den Gottesstaat einzuführen, und umgekehrt täglich iranisches Kunsthandwerk nach Jerusalem gelangt, kann es auch nicht so schwer sein, die internationalen Handelsbeschränkungen gegen den Iran zu unterlaufen.