Die Nachfolgedebatte für den IWF-Chefposten ist in vollem Gange. Genannt werden auch mehrere Prominente aus Deutschland, darunter Josef Ackermann. Und der Pimco-Chef, der auf fallende US-Staatsanleihen wettet.
Dominique Strauss-Kahn wird Morgen des 16. Mai 2011 in ein New Yorker Gericht geführt
Wegen der Euro-Schuldenkrise würde Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch künftig gerne einen Europäer auf dem Chefsessel der mächtigen Finanzinstitution IWF sehen. Doch China fordert stellvertretend für viele Schwellenländer eine Auswahl auf Basis von "Fairness, Transparenz und Leistung". FTD.de stellt einige Personen vor, die als Anwärter auf den Posten gehandelt werden.
Die französische Finanzministerin Christine Lagarde
Falls die Europäer erneut zum Zuge kommen sollten, wäre die französische Finanzministerin wohl erste Wahl. Die 55-Jährige hat sich in der Finanzkrise durch ihr souveränes Auftreten im Kreis der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) großes Ansehen erworben. Die FT verlieh der fließend Englisch sprechenden Politikerin 2009 sogar den Titel der "besten Finanzministerin Europas".
Gegen Christine Lagarde spricht jedoch ihre Nationalität. Denn Frankreich hatte den IWF-Chefposten in den zurückliegenden 33 Jahren insgesamt 26 Jahre lang inne. Staatschef Nicolas Sarkozy dürfte seine Star-Ministerin zudem im heraufziehenden Präsidentschaftswahlkampf nur ungern ziehen lassen.
Jean-Claude Trichet während einer Pressekonferenz in Frankfurt
Der Präsident der Europäischen Zentralbank scheidet Ende Oktober aus dem Amt. Für den niederländischen Notenbankgouverneur Nout Wellink wäre der Franzose ein "fantastischer Kandidat". Trichet steht seit November 2003 an der Spitze der EZB. Schwedens Finanzminister Anders Borg sieht in ihm einen Experten in Sachen Geldpolitik.
Trichet würde sich als IWF-Chef vermutlich dafür einsetzen, dass die Unterstützung der klammen Euro-Staaten fortgesetzt wird. Als EZB-Präsident spricht er sich vehement dagegen aus, ein Land in die Zahlungsunfähigkeit rutschen zu lassen.
Er gilt als aussichtsreicher Kandidat für den Fall, dass kein Europäer den Job bekommt. Dervis ist einer der Väter des Aufstiegs der Türkei, die 2001 eine schwere Finanzkrise durchmachte und durch Reformen sowie eine milliardenschwere Finanzspritze des IWF die Wende schaffte. Er ging 1978 zur Weltbank, deren Vizechef er 1996 wurde.
Dervis kehrte 2001 als Wirtschaftsminister in sein Heimatland zurück, das zu dieser Zeit unter Bankenpleiten, steigender Inflation und einer massiven Währungsabwertung litt. Derzeit ist der 62-Jährige Vizepräsident der Washingtoner Denkfabrik Brookings Institution.
Der 55-Jährige ist in Finanzkreisen sehr anerkannt. Von 1996 bis 2009 war er Finanzminister in Südafrika, wo er in den 1980er-Jahren vom Apartheid-Regime wegen seiner politischen Aktivitäten verfolgt und inhaftiert worden war. Als Chef der Nationalen Planungskommission hat er noch immer großen Einfluss auf die Geschicke seines Heimatlandes, das zu den am schnellsten wachsenden Schwellenländern gehört.
Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bei der Vorstellung seines Buches "Unterm Strich" in Hamburg
Aufgrund seiner fachlichen Eignung genießt der frühere Bundesfinanzminister hohes Ansehen - national wie international. Während der Finanzkrise legte er zusammen mit Kanzlerin Merkel die Basis dafür, dass Deutschland relativ gut aus der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs herausfand.
Zwei Dinge aber sprechen gegen Steinbrück: Als Sozialdemokrat dürfte er in den Regierungsfraktionen CDU, CSU und FDP kaum durchsetzbar sein. Zudem hat der 64-Jährige sich während seiner Ministerzeit mit vielen Politikern aus anderen Ländern angelegt - vor allem mit Frankreichs Präsident Sarkozy.
Bis Ende April diente er noch als Bundesbankchef. Lange Zeit galt der Pfälzer als Favorit für den Chefposten der Europäischen Zentralbank, ehe er sich wegen des umstrittenen Kaufs von Staatsanleihen von Euro-Krisenländern mit Präsident Jean-Claude Trichet überwarf.
Der 54-Jährige ist als Ökonom und Notenbanker weltweit anerkannt, genießt aber nicht gerade den Ruf eines Diplomaten. Er will im kommenden Jahr an der University of Chicago lehren, gilt aber auch als ein Kandidat für die Nachfolge von Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank.
Josef Ackermann beim Ambrosetti-Workshop im italienischen Cernobbio
Den Namen des Deutsche-Bank-Chefs brachte die "Bild"-Zeitung ins Gespräch: Sie berichtete ohne Angaben von Quellen, die Bundesregierung halte Ausschau nach möglichen IWF-Kandidaten und dabei werde auch Ackermann genannt.
Die Deutsche Bank wollte sich zur Sache nicht äußern. Ein kurzfristiger Wechsel Ackermanns zum IWF dürfte allerdings schwierig sein. Sein Vertrag an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus läuft noch bis 2013, die Nachfolgefrage ist noch nicht geklärt.
Der Chef der mexikanischen Zentralbank Augustin Carstens
Der 52-Jährige ist seit Anfang 2010 Chef der mexikanischen Notenbank, der er zuvor als Chefvolkswirt diente. Unter seiner Führung wurde die Unabhängigkeit der Zentralbank in Frage gestellt. Denn Carstens hatte zuvor den Finanzminister zur Teilnahme an den geldpolitischen Entscheidungen eingeladen und eine enge Zusammenarbeit mit der Regierung zugesagt. Von 2003 bis 2006 war er Vizechef des IWF.
Der 59-Jährige gehört zu den wenigen Deutschen, die eine wichtige internationale Institution leiten. Er ist seit zwei Jahren Chef der in London ansässigen Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Der Sozialdemokrat war zuvor unter anderem Büroleiter des Parteivorsitzenden Willy Brandt. Zuletzt diente er Ex-Finanzminister Steinbrück von 2005 bis 2008 als Finanzstaatssekretär.
Der einflussreiche Wirtschaftsberater von Premierminister Manmohan Singh gehört zu den Befürwortern offener Märkte. Er sorgte dafür, dass die Preiskontrollen für Benzin und Diesel beendet wurden. Seine Karriere begann der 67-Jährige bei der Weltbank und arbeitete später für den IWF. Gegen ihn spricht sein Alter.
Der Mann mit israelischem und US-amerikanischem Pass kennt den IWF in- und auswendig. Er diente ihm von 1994 bis 2001 als Vizechef. Der 67-Jährige ist ein weltweit anerkannter Ökonom, der am renommierten Massachusetts Institute of Technology lehrte - zu seinen Studenten gehörte der jetzige US-Notenbankchef Ben Bernanke. Seit 2005 ist er Chef der Nationalbank von Israel.
Der 52-Jährige ist Chef des weltgrößten Anleihe-Investors Pimco. Jüngst erregte er Aufmerksamkeit nicht nur dadurch, dass er US-Staatsanleihen aus dem Portfolio warf, sondern sogar eine Wette auf fallende Notierungen startete.
15 Jahre lange arbeitete er für den IWF, bevor er in den neunziger Jahren zur US-Bank Salomon Smith Barney/Citigroup stieß. 2008 veröffentlichte er den Bestseller "Märkte im Umbruch". El-Erian wurde in New York als Sohn einer französischen Mutter und eines ägyptischen Diplomaten geboren.
Der ehemalige britische Premierminister Gordon Brown
Lange wurde der ehemalige britische Premier- und Finanzminister als aussichtsreicher Kandidat für den IWF-Chefposten gehandelt. Doch sein konservativer Nachfolger in Downing Street 10, David Cameron, hat diesen Blütenträumen ein jähes Ende gesetzt und den Labourpolitiker offen als ungeeignet bezeichnet. Zugleich deutete Cameron an, dass es nun an der Zeit sein könnte, dass ein Schwellenland wie China oder Indien den IWF-Chef stellen wird.
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