Die Welt kennt die neue Chefin des Internationalen Währungsfonds als kompetent, charmant und alles andere als skandalumwittert. Doch in ihrem Arbeitsvertrag muss sie für die Eskapaden ihres Vorgängers büßen.
von Wolfgang ProisslFrankfurt
Wenn Christine Lagarde am Mittwoch erstmals als Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor die Presse tritt, weiß die Öffentlichkeit schon allerlei über sie: Die Ex-Wirtschaftsanwältin gilt als exzellente Verhandlerin. Als Frankreichs einstige Finanzministerin ist sie bestens mit der Euro-Schuldenkrise vertraut.
Und als G20-Vorsitzende hat sie widerstreitende Interessen ihrer Amtskollegen charmant und elegant zu einem Konsens zusammengeführt. Als anzügliche Schwerenöterin aber ist die 55-Jährige noch niemandem aufgefallen.
Die neue IWF-Chefin Christine Lagarde
Dennoch hat die neue IWF-Chefin in ihrem Arbeitsvertrag Passagen unterschrieben, als sei genau das der Fall. So musste Lagarde zusichern, dass sie im Amt die "höchsten Standards im ethischen Verhalten" beachtet und ihre Aufgabe mit "Diskretion" erfüllt. Die Französin verpflichtet sich dazu, als Chefin der mächtigen Organisation "jeglichen Anschein von Unschicklichkeit zu vermeiden". Um diese Vorgaben im Alltagsstress nicht zu vergessen, willigt die erste Frau an der IWF-Spitze ein, an dem "Ethiktraining teilzunehmen, das der Ethikberater des Fonds anbietet".
Neue Regeln und mehr Geld
Rechenschaft über ihr Verhalten legt Lagarde zudem ab, indem sie sich jährlich einem "vertraulichen und informellen Performance-Feedback-Prozess" mit dem Exekutivausschuss unterwirft, in dem 24 Exekutivdirektoren ihr Wirken kontrollieren.
All diese Klauseln sind neu und standen nicht im Arbeitsvertrag, den Lagardes Vorgänger Dominique Strauss-Kahn 2007 unterschrieben hatte. Doch nach den Erfahrungen mit dem Franzosen hatte der Exekutivausschuss "den Eindruck, dass man die Regeln ausdrücklicher festlegen und den Rahmen enger fassen muss", heißt es beim IWF.
Damit sind nicht die mittlerweile angezweifelten New Yorker Vergewaltigungsvorwürfe gemeint. Vielmehr dürfte das Kontrollgremium an die ungarische IWF-Ökonomin gedacht haben, die 2008 als Untergebene vom Fondschef in eine Beziehung gedrängt worden war. Oder daran, dass Strauss-Kahn im Amt öffentlich mit dem Ruf als Schürzenjäger kokettiert und im April einer Pariser Zeitung gesagt hatte: "Ja, ich liebe die Frauen. Na und?"
So will der IWF nie mehr vertreten werden - das sollen die Strauss-Kahn-Klauseln sicherstellen. Eine kleine Aufwandsentschädigung für so viel Moral: Lagardes Gehalt von jährlich 467.940 Dollar ist etwas höher als das des Vorgängers.
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