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Merken   Drucken   13.04.2008, 10:18 Schriftgröße: AAA

IWF warnt vor Hungerkatastrophe

Die Preise für Nahrungsmittel rangieren weltweit auf Rekordniveau. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat nun vor weiteren Engpässen in Entwicklungsländern gewarnt. IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn malte ein düsteres Szenario: "Hunderttausende Menschen werden hungern." Das habe ernste politische Konsequenzen.
Sollte Nahrung so teuer bleiben wie bisher, "könnte die Bevölkerung einer sehr großen Zahl von Ländern mit furchterregenden Konsequenzen konfrontiert werden", sagte Strauss-Kahn  beim gemeinsamen Frühjahrstreffen des IWF und der Weltbank in Washington. "Das könnte ein Konfliktherd für die Zukunft werden." Die Wirtschaft von Staaten könne zerstört werden, und auch die politische Verfasstheit von Ländern sei bedroht. "Es ist nicht nur eine humanitäre und wirtschaftliche Frage, sondern auch eine, die die Demokratie betrifft", sagte der IWF-Chef.
In zahlreichen, vor allem armen Staaten wie Haiti ist es wegen teurer Lebensmittel bereits zu Unruhen, Plünderungen und Gewalt gekommen. Nach Angaben der Weltbank kletterten die Nahrungsmittelpreise in den vergangenen drei Jahren weltweit um 83 Prozent, für Weizen sogar um 181 Prozent. Als wichtigste Auslöser der Preisexplosion gelten neben den Biotreibstoffen auch veränderte Ernährungsgewohnheiten in aufstrebenden Staaten wie China, ausgedehnte Dürren etwa in Australien und der hohe Ölpreis.
Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), die Deutschland im Entwicklungsausschuss der Weltbank vertritt, rief zu einer Regulierung des weltweiten Marktes für Biokraftstoffe auf, damit deren Produktion die Nahrungsmittelpreise nicht weiter hochtreibe. "Es ist nicht zu akzeptieren, wenn der Export von Agrarkraftstoffen die Versorgungslage gerade derjenigen Menschen bedroht, die ohnehin schon in Armut leben", sagte Wieczorek-Zeul. Nach ernstzunehmenden Untersuchungen gingen 30 bis 70 Prozent der Nahrungsmittel-Preissteigerungen auf den forcierten Anbau und die Verwendung von Pflanzen für Kraftstoffe zurück.
Mehr Mitsprache für Entwicklungsländer
Wieczorek-Zeul sagte, sie betrachte die steigenden Lebensmittelpreise als eine Gefahr für "Wachstum, Armutsbekämpfung, Stabilität und Frieden in der Welt". Die Ministerin unterstützte den Vorschlag von Weltbankpräsident Robert Zoellick, dass die Staatsfonds ein Prozent ihrer Anlagesumme investieren sollten, um der Wirtschaft in Afrika Impulse zu geben. Gespräche dazu würden am Rande der Weltbank-Konferenz laufen.
Bilderserie Bilderserie: Der Aufstand der Hungrigen
Näher gerückt ist ein größeres Mitspracherecht von ärmeren Staaten und Schwellenländern beim IWF. Der Lenkungsausschuss der Finanzinstitution habe einer entsprechenden Reform ihre volle Zustimmung erteilt, sagte der Vorsitzende des Gremiums, der italienische Finanzminister Tommaso Padoa-Schioppa. In dem Ausschuss vertreten 24 Finanzminister alle 185 Mitgliedsstaaten der Organisation. Ende März hatte sich bereits der Exekutivrat des Weltwährungsfonds für das Vorhaben ausgesprochen, durch das ein Teil der Stimmrechte von den Industrienationen hin zu ärmeren Ländern oder aufstrebenden Staaten wie Brasilien verlagert wird.
Die IWF-Mitglieder müssen den Vorschlag nun noch bis zum 28. April mit einer Stimmenmehrheit von 85 Prozent absegnen. IWF-Direktor Strauss-Kahn zeigte sich zuversichtlich nach der Zustimmung der Minister vom Samstag: "Es gibt nur eine sehr kleine Chance, dass wir die 85 Prozent nicht erreichen", sagte er.
  • FTD.de, 13.04.2008
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