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Merken   Drucken   03.02.2011, 05:09 Schriftgröße: AAA

Jahrhundertsturm: Zyklon "Yasi" trifft australische Küste mit voller Wucht

Zehntausende Menschen auf der Flucht, meterhohe Wellen und abgedeckte Dächer: Australien wird von einem der stärksten Wirbelstürme in der Geschichte heimgesucht. Weltweit löst der Zyklon Furcht vor einem Rohstoffengpass aus.
Mit Windgeschwindigkeiten bis zu 300 Kilometern pro Stunde fegte Zyklon "Yasi" in der Nacht zum Donnerstag über die Küstengebiete im nordöstlichen Staat Queensland hinweg und sorgte für Angst und Schrecken. Er hinterließ an Land eine Spur schwerer Verwüstungen. Über Tote gab es zunächst keine Berichte. Auf seinem Weg über das Festland verlor der Zyklon an Kraft, da er dort auf kühlere Luftströme traf. Der Wirbelsturm der höchsten Kategorie fünf der international gebräuchlichen Saffir-Simpson-Skala wurde auf die Kategorie zwei herunter gestuft. Satellitenbilder zeigten, dass sich das gesamte System auf einer Fläche größer als Italien ausbreitete.
Ein Satellitenbild, das von einem Wettesatelliten aus 36.000 km ...   Ein Satellitenbild, das von einem Wettesatelliten aus 36.000 km Höhe aufgenommen wurde, zeigt den Zyklon "Yasi"
Die Ministerpräsidentin des Bundesstaates Queensland, Anna Bligh, sagte am Donnerstag, es sei zu früh, um Bilanz zu ziehen. Die Behörden hätten noch einen zu geringen Überblick über die angerichteten Schäden. Mehr als 170.000 Menschen seien ohne Strom. "Yasi" habe wahrscheinlich große Schäden in der Landwirtschaft angerichtet. Experten waren dabei, die Schäden im Norden des Bundesstaates abzuschätzen.
Cairns, eine Stadt mit 122.000 Einwohnern, rund 1700 Kilometer nördlich von Brisbane lag zwar in der "Schusslinie" des gewaltigen Wirbelsturms, wurde aber weitgehend verschont. Der Flughafen solle in Kürze wieder öffnen, hieß es Donnerstag. Zu den am heftigsten getroffenen Orten gehören der kleine Ort Mission Beach zwischen Cairns und Townsville sowie die Stadt Tully, rund dreißig Kilometer von der Küste entfernt.
Weitere Zerstörungen erwartet
Tully biete mit seinen abgedeckten Häusern und abgerissenen Stromleitungen ein Bild der Zerstörung, schrieb der "Sydney Morning Herald" am frühen Donnerstagmorgen. "Yasi" erreichte Windstärken bis zu 300 Kilometer in der Stunde und verursacht massive Gewitter und Sturmfluten, die Tausende von Grundstücken überschwemmen könnten. Das Bureau of Meteorology erwartet in den kommenden zwölf Stunden noch weitere Zerstörungen durch heftige Stürme mit Geschwindigkeiten bis zu 125 Kilometer in der Stunde, während sich der Zyklon in Richtung Georgetown ins Landesinnere bewegt.
Allein die Ausläufer waren so heftig, dass bereits am Mittwochabend Zehntausende Haushalte keinen Strom mehr hatten. Bis Mitternacht waren es nach Behördenangaben 150.000 Wohnungen und Häuser. Bligh sagte, vor der Küste habe sich eine neun Meter hohe Welle aufgetürmt. Das Militär half, fast 40.000 Menschen in höhere Lagen in Sicherheit zu bringen. 4000 Soldaten standen in Townsville bereit, Katastrophenhilfe zu leisten, wenn der Sturm abzieht.
Zahlreiche Menschen hatten kurz vor Ankunft des Sturms versucht, in letzter Minute einen der wenigen Flüge aus der Region zu erwischen. Andere suchten Zuflucht in Einkaufszentren, die zu Notlagern umfunktioniert wurden, oder in den Kellern ihrer Häuser. "Wir hoffen auf das Beste, aber wir rechnen mit dem Schlimmsten, wenn ich ehrlich bin", sagte der Anwohner Scott Warren, während er die Fenster eines Cafes in Cairns mit Plastikfolie abdichtete.
Der Zyklon breitet sich auf einer Fläche größer als Italien aus   Der Zyklon breitet sich auf einer Fläche größer als Italien aus
Mehr als 400.000 Menschen leben in der Schneise, die "Yasi" in den kommenden Tagen voraussichtlich schlagen wird, sobald auch das Zentrum des Sturms das Land erreicht hat. Das Gebiet ist berühmt für seine Badestrände und das Great Barrier Reef. Es befinden sich dort aber auch zahlreiche Zuckerplantagen und weiter landeinwärts einige Kohlebergwerke. Es wurden Befürchtungen laut, dass ein Angebotsengpass bei wichtigen Rohstoffen ausgelöst werden könnte. Neben der Zuckerernte könnte die Ausfuhr von Kohle und Kupfer unter dem Jahrhundertsturm leiden.
Die Bergbauunternehmen BHP Billiton  und Peabody Energy  schlossen vorsorglich mehrere Gruben. Die Zuckerpreise schossen in die Höhe - fast alle Rohzuckerexporte Australiens kommen aus Queensland. Auch eine Kupferhütte wurde wegen des Sturms geschlossen. Die wirtschaftlichen Schäden durch "Yasi" sind noch nicht absehbar, doch bereits jetzt ist der Staat gebeutelt, nachdem es im Januar massive Überschwemmungen gegeben hatte.
  • FTD.de, 03.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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