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Merken   Drucken   02.04.2011, 09:46 Schriftgröße: AAA

Japan - Die Ereignisse vom Freitag: Tepco schiebt Messfehler auf PC-Problem

Die Anwohner des havarierten AKW Fukushima müssen noch lange in den Lagern ausharren. Mit Unterstützung von US-Soldaten hat eine Suchaktion im Katastrophengebiet begonnen. Die japanische Regierung versucht Normalität zu verbreiten  - und legt den Blaumann ab. Die Ereignisse zum Nachlesen.
© Bild: 2011 reuters
Die Anwohner des havarierten AKW Fukushima müssen noch lange in den Lagern ausharren. Mit Unterstützung von US-Soldaten hat eine Suchaktion im Katastrophengebiet begonnen. Die japanische Regierung versucht Normalität zu verbreiten - und legt den Blaumann ab. Die Ereignisse zum Nachlesen.
19:53 Die Strahlenwerte in dem 40 Kilometer von Fukushima entfernten Dorf Iitate liegen nach IAEA-Informationen wieder unter dem Evakuierungs-Level. Durchschnittlich liege die Belastung mit radioaktivem Jod bei sieben Megabecquerel pro Quadratmeter, sagte der IAEA-Experte Gerhard Pröhl. Der empfohlene Grenzwert, nach dem evakuiert werden sollte, liegt bei zehn Megabecquerel pro Quadratmeter.
Wann und wo genau in Iitate diese Bodenproben genommen wurden, wollte die IAEA aber nicht sagen: "Der Durchschnittswert von Jod pro Quadratmeter nimmt ab", sagte Pröhl. Die Situation in Iitate verbessere sich aber von Tag zu Tag, da das radioaktive Jod zerfalle, so die Behörde.
18:08 Der japanische Energiekonzern Tepco hat Fehler beim Messen von Radioaktivität am havarierten Atomkraftwerk Fukushima I eingeräumt. Das Computerprogramm, mit dem radioaktive Elemente analysiert und ihre Strahlung bestimmt werden, sei fehlerhaft. Zuvor hatten Experten kritisiert, gemessene Werte des radioaktiven Wassers im AKW seien zu hoch. Tepco-Vertreter und die Industrie-Sicherheitsbehörde sagten laut Fernsehsender NHK, die zuvor veröffentlichten Strahlungswerte etwa der seltenen Elemente Tellurium-129 und Molybdän-99 könnten über den tatsächlichen Leveln liegen.
17:12 Die Zahl der identifizierten Toten nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami hat sich im Nordosten Japans auf 11.734 erhöht. 16.375 Menschen würden weiter vermisst, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Polizei.
15:35 Beim Energieversorger Eon halten die Entscheidungsträger das baldige Ende der Atomkraftnutzung in Deutschland für möglich. "Ohne eine grundlegende gesellschaftliche Akzeptanz lässt sich kein Geschäft auf Dauer nachhaltig oder erfolgreich betreiben", schreibt Vorstandschef Johannes Teyssen in einem Gastkommentar für die "Frankfurter Rundschau".
Der Topmanager räumt ein, dass es Eon nicht leicht gefallen sei, auf eine Klage gegen das Atom-Moratorium der Bundesregierung zu verzichten. Aber unter Verweis auf die Atomkatastrophe in Japan schreibt Teyssen weiter: "Fukushima wiegt zu schwer, als dass irgendjemand einfach zur Tagesordnung übergehen könnte. Eon will und wird das jedenfalls nicht."
15:26 Über den Seeweg wird nach Einschätzung der deutschen Reeder keine verstrahlte Ware aus Japan nach Deutschland gelangen. "Bevor ein Containerschiff in Hamburg ankommt, legt es in sechs bis neun anderen Häfen an", sagte Max Johns vom Verband Deutscher Reeder. In jedem dieser Häfen messe die Hafenbehörde bei Ankunft und Abfahrt mögliche Strahlungen. Zugleich betonte er, dass zum Unglückszeitraum kein deutsches Containerschiff im kritischen Gebiet um das Atomkraftwerk Fukushima unterwegs gewesen sei. Das habe eine Umfrage des Verbandes unter seinen Mitgliedern ergeben.
15:12 Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sieht keine Gefahr, dass verstrahlte Lebensmittel aus Japan nach Deutschland gelangen. "Die Verbraucher müssen sich keine Sorgen machen", sagte Aigner am Rande der Agrarministerkonferenz in Jena.
Die Lebensmittel würden in Japan geprüft, bevor sie verschifft werden. Darüber hinaus gebe es zusätzliche Kontrollen bei der Einfuhr nach Deutschland. Der Anteil der Lebensmittel aus Japan betrage am Gesamtimport gerade einmal 0,1 Prozent. Nachdrücklich sprach sich Aigner dafür aus, die Grenzwerte für Cäsium europaweit einheitlich zu regeln.
15:05 Der japanische Stromkonzern Tepco hat nicht genug Strahlenmessgeräte für die Arbeiter in der Atomruine Fukushima. Sie mussten sich Dosimeter teilen, nachdem viele der Geräte bei dem Erdbeben und dem Tsunami kaputt gegangen waren. Diese Situation müsse im Sinne der Arbeiter verbessert werden, sagte ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde Nisa. Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet, dass Tepco dafür von der Behörde verwarnt wurde.
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Stand der Informationen: 6. April 2011, 13 Uhr (MEZ)


14:51 In Japan dreht am Sonntag der Wind und gefährdet zumindest kurzfristig wieder den Ballungsraum Tokio. Die radioaktiven Partikel aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima könnten dann in Richtung der Metropole geweht werden, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Bis Sonntag bläst der Wind noch über Fukushima hinweg Richtung Pazifik. An Japans Westküste und im Binnenland fallen nach DWD-Angaben die Temperaturen in den kommenden Nächten wieder unter den Gefrierpunkt.
14:32 Der japanische Atomkonzern Tepco hat frühere Messungen bestätigt, nach denen im Grundwasser nahe des beschädigten Kernkraftwerks Fukushima 10.00-fach erhöhte Werte von Jod-131 entdeckt wurden. Tepco hatte die Analyse auf Anordnung der Atomsicherheitsbehörde wiederholen müssen, da es Zweifel an der Richtigkeit der Ergebnisse gab. Der Konzern hatte bereits vorher fehlerhaft gemessen und steht wegen seiner Informationspolitik seit Wochen in der Kritik.
13:53 Eine erneute Überprüfung von Rindfleisch aus der Präfektur Fukushima hat nach Angaben des japanischen Gesundheitsministeriums kaum erhöhte Werte ergeben. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.
Das Ministerium hatte am Donnerstag radioaktives Cäsium in einer Fleischprobe gefunden, die aus einem etwa 70 Kilometer vom AKW Fukushima entfernten Dorf stammte. Der Grenzwert sei leicht überschritten gewesen.
12:47 Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd steuert ab der kommenden Woche wieder die japanischen Häfen Tokio und Yokohama an. Strahlenmessungen der japanischen Behörden und der Reederei hätten dort stabile oder sogar fallende Werte gezeigt, sagte eine Hapag-Lloyd-Sprecherin. Trotzdem werde die Lage weiterhin genau beobachtet. "Wir schauen täglich auf das Wetter und die Strahlenwerte", sagte sie.
Aufräumarbeiten Japan in Trümmern
12:26 Japans Regierungschef Naoto Kan sagte, dass ein Ende der nuklearen Krise immer noch nicht abzuschätzen sei. Zunächst müsse sich die Lage in dem Kraftwerk in Fukushima stabilisieren, sagte er der Nachrichtenagentur Kyodo. "Wir sind auf einen langen Kampf vorbereitet".
Er will am Samstag in die erdbebenzerstörte Stadt Rikuzentakata und in die Präfektur Fukushima reisen, in der auch das havarierte Atomkraftwerk steht. Zum AKW selbst wird er wohl nicht kommen. Bisher war Kan nur in einem Hubschrauber über die Region geflogen.
11:31 In Japan hat eine großangelegte Suchaktion nach Opfern des verheerenden Tsunamis begonnen. Die mehr als 18.000 japanischen Soldaten werden von Polizei, Küstenwache, Feuerwehr und ungefähr 7000 US-Soldaten bei ihrer Arbeit unterstützt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.
Man vermutet, dass viele Opfer ins Meer geschwemmt wurden. Die Suche konzentriert sich auf ein etwa 18 Kilometer breites Gebiet in den zum Teil noch immer überfluteten Küstengebieten und Flussmündungen in den Präfekutren Fukushima, Iwate und Miyagi.
11:03 Die Anwohner des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima werden nach Einschätzung der Regierung in Tokio für lange Zeit nicht in ihre Häuser zurückkehren können. Die Evakuierung des Katastrophengebiets sei langfristig angelegt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Eine Ausweitung der Sperrzone hatte die japanische Regierung am Vortag abgelehnt.
09:29 Die Welt kannte ihn als "Mann im blauen Overall". Der japanische Regierungssprecher Yukio Edano trat erstmals wieder im eleganten dunkelgrauen Anzug vor die Presse. Drei Wochen nach der Erdbebenkatastrophe will die Regierung in Tokio damit einen Schritt in Richtung Normalität machen. "Wir wollten zeigen das die Regierung nun auch in die Zukunft blickt. Deshalb haben wir diese Jacken ausgezogen", sagte Edano.
Die Kabinettsmitglieder hatten seit dem Erdbeben die gleichen Schutzanzüge getragen wie die Helfer im Katastrophengebiet. Es sei nun "Zeit für die Regierung die nächsten Schritte in Richtung Wiederaufbau zu machen" sagte Edano.
08:59 Die Tokioter Börse ist mit einem Minus ins neue japanische Geschäftsjahr gestartet. Zunächst war der Leitindex Nikkei  zwar auf den höchsten Stand seit knapp zwei Wochen geklettert - damals war es am ersten Handelstag nach dem verheerenden Erdbeben zu Panikverkäufen gekommen. Doch am Freitag büßte der Nikkei die frühen Gewinne wieder ein. Vor dem Wochenende wollten Anleger wegen der Ungewissheit über die Atomkrise keine großen Risiken eingehen, hieß es. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,5 Prozent im Minus bei 9708 Zählern. Der breiter gefasste Topix  verlor 0,8 Prozent auf 862 Punkte.
Die Autoabsatz in Japan brach im März ein - am stärksten beim Branchenführer Toyota , gefolgt von Nissan  und Honda . Die Marktreaktion darauf fiel genau umgekehrt aus: Toyota-Papiere lagen knapp 0,2 Prozent im Plus, Nissan büßte dagegen 1,2 Prozent an Wert ein und für Honda ging es sogar 2,4 Prozent bergab.

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  • FTD.de, 02.04.2011
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