Joseph Kardinal Ratzinger - jetzt Benedikt XVI.
Unter dem Jubel Zehntausender Menschen erteilte Ratzinger, der sich jetzt Benedikt der XVI. nennt, seinen ersten Segen als Papst. "Liebe Brüder und Schwestern! Nach dem großen Papst Johannes Paul II. haben die Kardinäle mich gewählt, einen einfachen, bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn. "Ich vertraue mich Euren Gebeten an."
Der Name des Papstes ist immer auch Programm. Als Benedikt XVI. bezieht sich Ratzinger offenbar auf Benedikt XIV., der er den Vatikan im 18. Jahrhundert führte. Der gilt als der intellektuellste der 265 Päpste. Er führte einen ausgiebigen Briefwechsel mit Voltaire und trug durch seine theologischen Schriften viel zum heutigen Erscheinungsbild der katholischen Kirche bei. An diesem Intellektuellen will sich der neue Papst orientieren, und die Stellung des Katholizismus im dritten Jahrtausend festigen.
Wegen seiner brillanten Rhetorik und scharfen Intelligenz wird Ratzinger im Vatikan geschätzt und gefürchtet. Der 78-jährige diente dem am 2. April verstorbenen Johannes Paul II. seit 1981 als Präfekt der Glaubenskongregation. In dieser Funktion hatte er die Aufgabe, die Einheit des Glaubens zu wahren.
Schon in den vergangenen Jahren war er einer der wichtigsten Männer im Vatikan. Seine Bedeutung wurde nach dem Tod von Johannes Paul II. noch deutlicher: Als Dekan des Kardinalskollegiums war er verantwortlich für die Wahl des neuen Papstes. Mit seiner Predigt zum Auftakt des Konklaves brillierte Ratzinger erneut.
Gegen Relativismus im Glauben
Er wandte sich gegen gegen den Relativismus als eine Philosophie, nach der es keine absoluten Wahrheiten gibt. "Einen klaren Glauben auf Grundlage des Glaubensbekenntnisses der Kirche zu haben, wird oft als Fundamentalismus bezeichnet", sagte er. Außerdem betete er, dass Gott einen "Seelsorger nach seinem Herzen" bestimmen möge, einen "Pastor, der uns im Wissen um Christus führt, zu seiner Liebe und zu wahrer Freude".
Schon beim Trauergottesdienst für Johannes Paul II. hatte Ratzingers Predigt emotionale Predigt großen Eindruck gemacht. Damit legte er offenbar den Grundstein, zum nächsten Papst gewählt zu werden.
Der als rigoros geltende Wächter über die Dogmen der katholischen Kirche zeigte ungewohnte Emotionen, als er den Tränen nahe war und eine menschliche Seite zeigte, wie man sie von einem Nachfolger Johannes Pauls erwartet. Bislang galten fehlende Wärme und intellektuelle Kälte nach Einschätzung von Vatikanexperten als großes Manko des Kardinaldekans.