Ein Großbrand in einer Textilfabrik in Pakistan hat mindestens 289 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 100 Arbeiter hätten sich aus dem Fabrikgebäude in der südlichen Wirtschaftsmetropole Karatschi retten können, teilte der Sprecher der Stadtverwaltung, Roshan Ali Shaikh, am Mittwoch mit. Viele Menschen seien in Panik aus Fenstern des dreistöckigen Gebäudes gesprungen, da es zu wenige Notausgänge gegeben habe. Einige Überlebende hätten sich dabei schwer verletzt.
Vor allem kleine und mittelgroße Fabriken in Pakistan stehen wegen der schlechten Sicherheitsstandards etwa bei der elektrischen Verkabelung in der Kritik. Oft fehlen angemessene Fluchtwege. Nur wenige Stunden vor dem Brand in Karatschi waren in der Großstadt Lahore im Osten Pakistans mindestens 21 Menschen bei einem Großfeuer in einer Kunststofffabrik getötet worden.
Die meisten Beschäftigten starben nach Angaben von Ärzten an Rauchvergiftungen. Einige Leichen seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Viele Opfer wurden in den Kellerräumen gefunden. Die Polizei befürchtet, dass die Zahl der Toten weiter steigt, da Rettungskräfte auch Stunden nach dem Brand noch nicht in alle Teile der zerstörten Fabrik vordringen konnten.
Das Feuer war am Dienstagabend ausgebrochen. Feuerwehrleute brauchten fast die ganze Nacht, um es unter Kontrolle zu bringen. Die Ursache des Brandes ist noch unklar. In pakistanischen Medien wurde über einen defekten Generator spekuliert. Der Funkenschlag habe möglicherweise Baumwollballen und chemische Färbemittel entzündet. Die Polizei startet unterdessen eine groß angelegte Suchaktion nach den Besitzern der Fabrik, in der nach Angaben von Arbeitern unter anderem Wäsche produziert wurde.
Überlebende berichteten im pakistanischen Fernsehen von schrecklichen Szenen. "Wir waren bei der Arbeit, als plötzlich überall Feuer und Rauch waren", sagte ein Arbeiter. "Die Hitze war so groß, dass wir zu den Fenstern stürmten und die davor angebrachten Eisengitter herausrissen." Beim rettenden Sprung aus der zweiten Etage habe er sich ein Bein gebrochen. Anderen gelang es Berichten zufolge nicht, die Sicherungsgitter abzureißen. Sie blieben in der brennenden Fabrik gefangen.
Karatschi ist die größte Stadt Pakistans und die Hauptstadt der Provinz Sindh im Südosten des Landes. In der am Arabischen Meer gelegenen Hafenstadt leben rund 18 Millionen Menschen. Die Metropolregion erstreckt sich über mehr als 3500 Quadratkilometer und ist damit fast so groß wie die Insel Mallorca. Karatschi ist das Handels- und Finanzzentrum Pakistans. In den vergangenen Jahren wurde die Stadt wiederholt von schweren Unruhen zwischen verfeindeten Volksgruppen erschüttert, bei denen viele Menschen starben.