Amerika sei ein Dienstleistungsparadies, hört man in Deutschland häufig. Und deutsche Touristen helfen, dieses Klischee zu verfestigen, indem sie nach ihrer Rückkehr von der Kellnerin schwärmen, die sie an ihren Tisch brachte und beim Überreichen der Speisekarte sagte: "Hallo, ich bin Nancy, und ich bediene Sie heute."
Zwischendurch fragte Nancy immer wieder, ob sie noch was bringen dürfe, ob alles zur Zufriedenheit sei und ob sie den Kaffee noch einmal nachschenken solle. Dann brachte Nancy die Rechnung, auf die sie einen Smiley gezeichnet hatte - damit signalisiert eine Kellnerin, dass sie einen Gast besonders gern hat.
Der Gast seinerseits drückt seine Zuneigung zur Kellnerin aus, indem er ein großzügiges Trinkgeld gibt. Und das ist in der Regel viel höher als in Deutschland und beträgt zwischen 15 und 20 Prozent. So ist es auch zu erklären, warum Nancy auf einmal sehr kurz angebunden war, als unsere deutschen Touristen das Restaurant verließen. Denn ohne Trinkgeld verdient sie 3 $ die Stunde. Auch deshalb ist sie so nett.
Doch man gibt nicht überall so viel Trinkgeld wie im Restaurant. Als ich einer Freundin smste, wie viel ich dem Mann geben solle, der gerade mein Kabelfernsehen installiert hatte, schrieb sie entsetzt zurück: "Never tip the cable guy!" Der werde ja schließlich dafür bezahlt, dass er Kabel installiere.
Tatsächlich war der Kabelmann auch ohne Trinkgeld freundlich, im Gegensatz zur Dame in der Post, die den Kunden scharf zurückweist, wenn er sich ohne ihre ausdrückliche Genehmigung dem Schalter genähert hat. Überhaupt nicht nett sind übrigens auch viele Taxifahrer, fast alle Türsteher und ausnahmslos alle am Empfang in Arztpraxen.