Meine Freundin Joyce hat einen klitzekleinen Hund, der wie ein Dackel aussieht. Doch ich war nach kurzer Zeit überzeugt, dass es sich um eine edlere Rasse handeln müsse, allein schon wegen des Diamanthalsbandes und des Designermäntelchens, das dieses Tier im Winter trägt. Joyce sagte, Olive sei ein "Daxion", und ich nahm mir vor, das bei Gelegenheit nachzuschlagen.
Wenn Joyce mit Olive in den Aufzug steigt, rufen alle Anwesenden: "Oh, what a cutie!" (Was für eine Süße!) und: "This dog is so adorable!" "Dieser Hund ist anbetungswürdig" - auf Deutsch würde das etwas übertrieben klingen. Mich bringen diese Konversationen regelmäßig ins Schwitzen, denn ich bin kein großer Hundefan, aber da ich noch eine Weile in den USA (über)leben will, versuche ich, dieses charakterliche Defizit zu verbergen.
Zum Glück suche ich keine Liebesbeziehung zu Joyce. Männer, die ihre Partnertauglichkeit bei ihr beweisen wollen, dürfen sich beim Spaziergang nicht zu schade sein, den Hundekot in eine Plastiktüte zu schaufeln. "Scoop the poop" nennt man das. Von mir wird nur verlangt, dass ich Olive gelegentlich hinter den Ohren kraule.
Übrigens flitzen in Washington viele dieser Daxions herum, man muss höllisch aufpassen, dass man auf keinen drauf tritt. Olive kann zurzeit nicht flitzen, sie hatte einen Bandscheibenvorfall und Joyce musste 6000 $ für die OP berappen. Wie bei einem Dackel steht auch Olives langer Rücken in keinem Verhältnis zu den kurzen Beinen.
Ich musste dann übrigens doch nicht mehr nachschlagen. Als ich Joyce neulich besuchte, hatte sie eine neue Fußmatte. "Dachshund" stand darauf, und ich sagte, huch, das ist ja deutsch. "Of course", sagte Joyce. "Olive is a Daxion!" Es ist alles eine Frage der Aussprache.