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Merken   Drucken   16.02.2012, 11:00 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Dani Rodrik - Die Weltgesellschaft findet nicht statt

Kommentar Auf die Nationalstaaten wurden schon oft Abgesänge angestimmt: Unwichtiger würden sie, ihre Rolle verlieren - wegen der Globalisierung. Die Wirklichkeit sieht anders aus. von Dani Rodrik  Harvard
Einer der Grundmythen unserer Zeit ist, dass die Globalisierung den Nationalstaat zur Bedeutungslosigkeit verdammt habe. Die Revolution im Transport- und Kommunikationswesen, so hören wir, habe Grenzen eingedampft und die Welt schrumpfen lassen. Neue Regierungsmodi - von transnationalen Regulierungsnetzen über internationale zivilgesellschaftliche Organisationen bis hin zu multilateralen Institutionen - würden die nationalen Gesetzgeber überwinden und ersetzen. Die nationale Politik sei angesichts der globalen Märkte weitgehend machtlos.
Die globale Finanzkrise hat diesen Mythos zerschmettert. Wer hat denn die Banken gerettet, für Liquidität gesorgt, Steuerimpulse gesetzt und die Sicherheitsnetze für die Arbeitslosen zur Verfügung gestellt, um eine eskalierende Katastrophe aufzuhalten? Wer ist dabei, die Regeln für die Aufsicht und Regulierung der Finanzmärkte umzuschreiben, um zu verhindern, dass sich die Situation wiederholt? Wen betrachten die Menschen als hauptverantwortlich für alles, was schiefgeht? Die Antwort ist immer die gleiche: die nationalen Regierungen. Die G20, der Internationale Währungsfonds und der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht waren überwiegend Nebenschauplätze.
Selbst in Europa, wo die regionalen Institutionen vergleichsweise stark sind, werden die politischen Entscheidungen überwiegend von nationalen Interessen und nationalen Politikern bestimmt - primär von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Dani Rodrik   Dani Rodrik
Doch obwohl der Nationalstaat überlebt, liegt sein Ruf in Scherben. Er steht intellektuell von zwei Seiten aus unter Beschuss. Erstens ist da die Kritik der Ökonomen, die die Regierungen als Hemmnis für den freien Waren- und Kapitalfluss und die Freizügigkeit auf der Welt betrachten. Man müsse die nationale Politik hindern, sich mit ihren Regeln und Barrieren einzumischen, so behaupten sie, und dann würden die globalen Märkte das schon machen und dabei eine stärker integrierte, effizientere Weltwirtschaft schaffen.
Aber wer soll den Märkten Regeln geben, wenn nicht die Nationalstaaten? Laisser-faire ist ein Rezept für weitere Finanzkrisen und größere politische Gegenbewegungen. Mehr noch: Es würde erfordern, die Wirtschaftspolitik internationalen Technokraten zu überantworten, die vom Gezerre und Geschiebe der Politik weit weg sind - eine Haltung, die Demokratie und politische Rechenschaftspflicht schwer beschränkt.
Um es auf den Punkt zu bringen: Laisser-faire und internationale Technokratie bieten keine Alternative zum Nationalstaat. Die Erosion des Nationalstaats nützt den globalen Märkten wenig, solange praktikable globale Lenkungsmechanismen fehlen.

Teil 2: Die Basis für eine "globale Ethik"

  • Aus der FTD vom 16.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 16.02.2012 15:25:39 Uhr   wetaskewin: Globaliesierung.

    Ich habe 45 Jahre globaliesierung Beruflich ausgeübt ,und es hat sich nichts an meiner Nationalen Gesinnung geändert. Die Globaliesierungs Gurus sind nur wie immer beim Kapital zu finden.Die schul Kinder sind nicht in der Lage Völker und Natinalstaaten auseinander zu Halten,wie soll sowas den vollzogen werden.ES wird nie eine Welt Globaliesirung geben auch nicht in weiter Ferne.mfG

  • 16.02.2012 14:09:59 Uhr   Sepp: Evolution
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