FTD.de » Politik » International » Horst von Buttlar - Die Matrix der Milchgesichter

Merken   Drucken   09.05.2010, 20:12 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Horst von Buttlar - Die Matrix der Milchgesichter  

In der Krise sind Entscheidungen angeblich alternativlos, heißt es. Wozu aber brauchen wir dann noch Wahlen? von Horst von Buttlar 
Es waren zwei große Auftritte von zwei kleinen Gestalten, die viel erzählen über diese Krise, von der wir immer noch nicht wissen, wohin sie uns führen wird: Vor einigen Tagen musste Fabrice Tourre mit anderen Goldman-Sachs-Mitarbeitern zum Kreuzverhör vor den US-Senat. Tourre, der sich der "fabelhafte Fab" nennt, musste dort über jenen Mist Rechenschaft ablegen, den er für die Investmentbank erschaffen hatte: Pakete voller Schrott, die später unter anderem an dumme Deutsche verscherbelt wurden. Da saß er mit seinen 31 Jahren, plötzlich berühmt, jungenhaft, der Blick mal kühl, mal erstaunt, mal überrascht - und verteidigte sich. Er sah genauso aus, wie man sich diese Bubis immer vorstellt.
Wenige Tage später ist es wieder ein Franzose, der mit seinem Buch Aufsehen erregen will: Jérôme Kerviel, 33 Jahre, einst Händler der Société Générale, der die Pariser Großbank an den Rand des Abgrunds brachte, indem er knapp 5 Mrd. Euro verzockte. In der Kanzlei seines Promianwalts gab er vergangene Woche Interviews. Schuld, sagte er, war ein perverses System, waren seine Chefs und er sei nur "die Hure".
Es gibt keine Kriegserklärung
Die Koinzidenz der Auftritte dieser beiden jungen Männer - in einer Woche, in der unsere Welt wieder mal an einem der ungezählten Abgründe stand - war wie ein Fanal. Natürlich haben die beiden mit Griechenland nichts zu tun. Kerviel und Tourre sind aber zwei kleine Helden aus einem früheren Akt dieser Krise.

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  • Aus der FTD vom 10.05.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 11.05.2010 01:28:34 Uhr   Dr.Franz: DIE Moral aus der Geschicht'

    Vielleicht fällt es noch dem einen oder anderen verbliebenen Demokraten auf, dass wir mittlerweile nur noch durch Notgesetze und von selbstbesorgten Einflüsterern provozierte tägliche "ultima ratios" regiert werden!

    So war es bei Lehman, wo Oberflüsterer Ackermann per Handyanruf von der Kanzlerin die schnelle Zusage über eine Staatsgarantie von 500.Mrd locker machte, ohne das Parlament vorher zu fragen (500.Mrd betragen gesamte Schulden aller deutschen Bundesländer aus 40. Jahren ununterbrochener Verschuldung!)

    Analoges "ultima ratio" war auch bei Griechenland angesagt, wo das Notgesetz mit weiteren Anträgen und zwischen anderen Tagespunkten durchs Parlament geritten wurde.

    Dabei nur noch Fraktionszwang, "Probeabstimmungen" und Verhaltensüberwachung statt der verfassungsmäßigen Gewissensfreiheit der Volksvertreter zur Schadensabwendung vom Souverän!

    Nun ein Schirm mit über 2.Billionen EUR (!) als neues "ultima ratio" ohne Parlamentsbeteiligung zur wie immer *alternativlosen* Schadensabwendung vom "unseren“ EURO, wieder exklusiv zum Schaden der Steuerzahler und nicht der Banken und deren Lobbys!

    Anmerkung: eine Euro-Abwertung sollte an sich für die gepriesene deutsche Exportfähigkeit vorteilhaft sein, zumal der Außenwert des Euros zum Dollar und Pfund seit Beginn der Eurozone um 40% zu unserem Nachteil aufgewertete und nur durch die reellen Lohneinbußen von 40% zu Gunsten der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen ausgebügelt wurde!

    Der Steuerzahler könnte einiges noch verschmerzen, wenn letztlich der gesunde Menschenverstand bei den Entscheidungen der Politiker nicht dauern vor lauter Lobbyarbeit für die Banken auf der Strecke bleiben würde.
    Aber statt nun die ursächlich schuldhaften Banken, wie in der Marktwirtschaft vorgesehen, an ihren geplatzten Risiken ohne ausreichende Deckung zu beteiligen und sie zum guten Teil auf den Verlusten sitzen zu lassen (und sie zur Not, wie in den USA problemlos mit 150 Banken geschehen, einfach einstampfen), wird stets von Merkels Staatseinflüsterern und Panikpropheten wie Ackermann, Weber, Weidmann und Asmussen wieder die Parole von "Gefahr in Verzug – Augen zu - beherztes Handeln sofort von Nöten!" ausgegeben und das ganze Spiel geht von vorne zu Lasten der nächsten Generation der Steuerzahler fröhlich los!
    Und für die Einflüsterer gibt's wieder für die nächste sinnlos verbrannte Steuerbillion einen weiteren Karrieresprung, so demnächst Weber auf den EZB-Stuhl.

    Gruß an die Auguren der Exekutive: der Wortsinn der *parlamentarischen* Demokratie bedeutet, dass Demokratie bekanntlich dort endet, wo Partei mit dem Staat verschmilzt oder die Gewaltentrennung undurchsichtig wird – die politische Weisungsunabhängigkeit der Staatsanwaltschaften wie in Italien oder der Sonderstaatsanwaltschaften in Frankreich könnten bei großen Wirtschafts-, Polit- und Bankenfällen in Deutschland wahre Wunder bewirken!

  • 10.05.2010 18:57:37 Uhr   htrunz: Aufgeblasen
  • 10.05.2010 15:20:14 Uhr   Konrad: Madam Alternativlos
  • 10.05.2010 13:32:19 Uhr   Ein Bürger: Demokratie
  • 10.05.2010 13:08:52 Uhr   Sam Neil: methodologischer individualismus at its fines...
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