Dafür können es die Alten umso besser: die Schmidts, Genschers, Teufels, die gefühlt schon dabei waren, als die Demokratie damals in Athen aus der Taufe gehoben wurde. Die wissen, wie man Deutschland und die Welt rettet, auch wenn es ihnen erst eingefallen ist, nachdem sie aus der aktiven Politik ausgeschieden sind. Oder vielleicht hören wir auch erst seitdem hin. Und sehen ehrfürchtig zu, wie ein großer Staatsmann charakterstark im Fernsehen raucht, nachdem wir dafür gesorgt haben, dass diese Sorte Luftverpester aus den Kneipen verbannt wurde.
Am zweitbesten nach den ganz Alten können das Regieren die ganz Jungen, die noch nicht durch Erfahrung kompromittiert sind. Derzeit setzen wir große Hoffnungen in die Piratenpartei, die uns freie Fahrt für freie Bürger im Internet verspricht. Wir werden sehr überrascht sein, wenn auch diese Partei dem eigenartigen Phänomen unterliegt, das schon bei den Grünen und der Linkspartei auftrat: Immer wenn eine Partei aus der Opposition in die Regierung gelangt, stellt sich heraus, dass sie über Nacht das Regieren vollständig verlernt hat.
Ein Politiker, den wir wählen, muss die Eigenschaften haben, die wir an ihm verachten: Machtwillen, Ehrgeiz, Führungsbereitschaft und Geltungsdrang. Er muss allzeit bereit sein, tags wie nachts, sommers wie winters. Er sollte nach 24-stündigen Krisensitzungen in Brüssel keine Ringe unter den Augen haben. Er darf in den Urlaub fahren, allerdings nicht zu weit, nicht zu lang und nicht zu teuer: Eine Woche Schwarzwald sei ihm gegönnt. Er darf im Fernsehen nicht zu langsam antworten, weil er dann tumb erscheint. Er darf nicht zu schnell antworten, weil er dann irgendwie unseriös rüberkommt.
Und bei all dem ist besonders wichtig: Er darf kein Politiker sein.