FTD.de » Politik » International » Tobias Bayer - Das japanische Exit-Märchen

Merken   Drucken   08.03.2010, 18:23 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Tobias Bayer - Das japanische Exit-Märchen  

Die Notenbanken Europas und der USA zitieren gern den japanischen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik 2006 als leuchtendes Vorbild. Schade, dass es 2010 weniger glatt laufen wird. von Tobias Bayer 
Genau vor vier Jahren, am 9. März 2006, teilte die Bank of Japan (BoJ) den Ausstieg aus der quantitativen Lockerung mit. Die Meldung liest sich unspektakulär: "Die ausstehenden Reserven, die Geldhäuser bei der Notenbank halten, werden gesenkt. (...) Wir rechnen damit, dass das in einigen Monaten vollzogen wird. Der Prozess wird über Aktionen auf dem Geldmarkt gesteuert."
Die dürren Sätze stehen in starkem Kontrast zur Bedeutung der Botschaft. Um die Wirtschaft aus der Deflation zu befreien, schlug die BoJ 2001 ein neues Kapitel der Notenbankgeschichte auf. Da der Leitzins schon bei null lag, begann sie mit dem Aufkauf von Staatsanleihen. Monatlich erwarb sie in der Spitze Papiere im Umfang von 1200 Mrd. Yen. Die Reserven der Banken bei der BoJ schwollen so auf bis zu 35.000 Mrd. Yen an. Das entsprach erstaunlichen sieben Prozent der Wirtschaftsleistung. Nach fünf Jahren hörte die BoJ auf. Von März bis Mitte 2006 sanken die Reserven auf ein Drittel. Im Sommer erhöhte die BoJ den Leitzins - und setzte damit den Schlusspunkt unter einen erstaunlich leisen und reibungslosen Exit.

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  • Aus der FTD vom 09.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 08.05.2010 20:51:47 Uhr   Maria: Treffliche Problemanalyse!

    Eine gute Analyse der Wirklichkeit!
    Es ist zwar ein vom Mainstream und dem Fokus der meisten Journalisten und Wirtschaftsweisen abweichendes aber nicht minder wichtiges Thema, denn die nächste Krise die nun gerade voll durchschlägt und die EU-Regierungschefs plötzlich zu Hyperaktivität und Notfallgesetzen an Parlamenten vorbei animiert, hat nicht nur etwas mit kollabierenden Staatsschulden der meisten EU-Staaten zu tun, sondern mindestens genauso viel mit der 2008 begonnenen und politisch veranlassten Flutung der Finanzmärkte durch die Zentralbanken samt Senkung der Zinsen auf ein Minimum. Den Banken wurden Billionen Steuergelder in den Rachen für ihr hoch riskantes und zum Scheitern verurteiltes Wirken geworfen und der Staat hat sich trotzdem von ihnen mit der Drohung der "Kreditklemmen" erpressen lassen, während diese mit den bewilligten zinslosen Bankenkredit-Billionen stattdessen zwei Jahre nur noch mit CDS, Staatsanleihen und Währungen unter Vorspieglung des Aufbaus des notwendigen Eigenkapitals weiter frech gezockt und die die aktuelle Spekulationsblase befruchtet haben!
    Insofern ist die hier im Artikel angesprochene Exit-Taktik der Nullzins-Politik der EZB ein sehr wichtiger Aspekt, der sicher so in der heterogenen Interessenslandschaft der EU nicht funktionieren und gewichtig zur nächsten baldigen Finanzkrise beitragen wird!

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