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Merken   Drucken   17.08.2009, 08:09 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Zu früh für den Exit der Notenbanken  

Dank der freizügigen Geldpolitik hat sich die Finanzkrise nicht zur Katastrophe ausgewachsen. Jetzt dürfen die Währungshüter nur nicht gleich wieder umsteuern. Denn die Lage ist nach wie vor heikel. von Mark Schrörs (Frankfurt)
Wenn sich die Notenbanker aus aller Welt am nächsten Wochenende zu ihrem jährlichen Stelldichein im US-Bergstädtchen Jackson Hole versammeln, blicken sie auf ein Jahr zurück, das schlimmer gewesen sein dürfte als alles, was sie sich im August 2008 ausgemalt hatten: Mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kurz nach dem Treffen, am 15. September, wurde die Finanz- zur globalen Wirtschaftskrise. Selbst die stets bedachtsamen Notenbanker räumen heute ein, dass das Finanzsystem kurz vor dem Kollaps stand - und mit ihm die ganze Weltwirtschaft.
Dass es so nicht gekommen ist, dass eine Katastrophe wie die Große Depression der 30er-Jahre verhindert wurde, ist auch ein Verdienst der Notenbanker. Die jüngste Erholung an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft dürfen sie deshalb mit Genugtuung betrachten. Sie müssen aber realistisch bleiben: Das Schlimmste ist hoffentlich vorbei, die Lage aber ist weiter ernst. Für ein Ende der lockeren Politik - den Exit - ist es zu früh. Sie sollten gar bereit bleiben nachzulegen. Den richtigen Ausstiegszeitpunkt zu finden wird eine noch größere Herausforderung als das Krisenmanagement.
Lehren aus den 30er-Jahren gezogen
Der Wirtschaftseinbruch 2008/09 hat nicht nur einige Parallelen zur Zeit der Großen Depression gezeigt, teils war er gar rasanter: Die weltweite Industrieproduktion etwa brach ab April 2008 mit ähnlicher Geschwindigkeit ein wie ab Juni 1929, der Welthandel gar schneller als damals. Ein zentraler Unterschied zu den 30er-Jahren aber ist, dass Regierungen und Notenbanken weltweit schneller und stärker gegensteuerten.
Die Notenbanker in den 30er-Jahren etwa reduzierten die weltweite Geldversorgung, als die Wirtschaft eigentlich mehr Geld und Kredit gebraucht hätte. Im Gegensatz dazu schraubten die heutigen Notenbanker nach der Lehman-Pleite ihre Leitzinsen immer weiter herunter auf neue Rekordtiefs und fluteten das System mit Geld. US-Fed und Bank of England kaufen gar Staatsanleihen - was zumindest im Westen lange tabu war.

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