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Merken   Drucken   01.04.2003, 21:43 Schriftgröße: AAA

Konjunktur: Industrie fürchtet Folgen des Kriegs  

Knapp zwei Wochen nach Beginn des Irak-Kriegs werden erstmals schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft deutlich. In den USA und der Euro-Zone ging die Geschäftstätigkeit der Industrie im März zurück. von Sebastian Dullien und Andreas Krosta, Berlin
Ursache waren vor allem ausbleibende Neuaufträge. Ökonomen erwarten eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) noch im Mai. Der US-Einkaufsmanagerindex, einer der wichtigsten Frühindikatoren für die Konjunkturentwicklung in Amerika, fiel von 50,5 auf 46,2 Punkte. Dies ist der tiefste Stand seit den Terroranschlägen vom September 2001. Das entsprechende Barometer für Europa, der Reuters-Einkaufsmanagerindex, sank von 50,1 auf 48,4 Punkte. Beide Indizes liegen damit unter jener 50-Punkte-Marke, deren Unterschreiten eine schrumpfende Industrie anzeigt.
Die Antworten der befragten Einkaufsmanager in den Industrieunternehmen lassen darauf schließen, dass sowohl die Auftragseingänge als auch die aktuelle Produktion, die Auftragsbestände und die Zahl der Beschäftigten abnehmen. Die Umfragen fanden teils unmittelbar vor Kriegsbeginn, teils nach Ausbruch der Kämpfe statt. Da der eigentliche Kriegsbeginn bereits in den Tagen zuvor absehbar war, führen Experten den Einbruch der Indizes auf den Irak-Konflikt zurück.
Als einer der Gründe wurde die Unsicherheit über das künftige Kaufverhalten der Kunden und die weitere Geschäftsentwicklung im US-Markt angegeben. "Als Folge des Kapitalbedarfs für den Irak-Krieg könnte es zu Umschichtungen bei staatlichen Investitionen in den USA kommen", sagte am Dienstag Heinz Hermann Thiele, Vorstandsvorsitzender des Knorr-Bremse-Konzerns, weltgrößter Hersteller von Bremsen für Züge und Lkw. Andere Manager erklärten die Auftragsschwäche mit gezielten Mehreinkäufen ihrer Kunden vor dem Irak-Krieg. Sie hätten sich damit gegen mögliche Preissteigerungen und Lieferstörungen absichern wollen.
Der Teilindex für Deutschland sank im März von 49,9 auf 47,8 Punkte. In Frankreich fiel zeitgleich der Index für das Verbrauchervertrauen auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Angesichts der schlechten Konjunkturaussichten deutete der griechische Notenbankpräsident Nicholas Garganas am Dienstag an, dass die EZB ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2003 der Euro-Zone möglicherweise auf weniger als 1,0 Prozent senken könnte. In den vergangenen Monaten hatte die EZB die Zinsen zeitgleich mit der Verringerung der Prognose gesenkt. "Wenn die Indikatoren weiter schlecht sind, wird die EZB schnell und entschieden handeln", sagte der Europa-Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding.
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  • FTD, 01.04.2003
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