Die Schlacht ist geschlagen - der Sieger heißt Barack Obama. Hier finden Sie die aktuellsten Nachrichten und Reportagen, Analysen und Kommentare zum politischen Weltereignis in den USA.
Der designierte US-Präsident Barack Obama hat am Wochenende seine wirtschaftspolitischen Absichten präzisiert und die rasche Verabschiedung eines neuen Konjunkturpakets gefordert. "Ich unterschätze nicht den gewaltigen Umfang der vor uns liegenden Aufgabe", sagte Obama am Freitag. Seine Regierung stehe vor schwierigen Entscheidungen, und es werde "nicht schnell und nicht einfach sein, aus dem Loch herauszuklettern, in dem wir uns befinden". Auf einer Pressekonferenz und in einer Radioansprache legte er dar, wie er mit der weltweiten Finanzkrise und der drohenden Rezession umgehen will. Außerdem traf er sich mit seinem Wirtschaftsteam.
Obama wies darauf hin, dass die US-Wirtschaft allein im Oktober 240.000 Arbeitsplätze verloren habe. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,5 Prozent. Seit Jahresanfang seien 1,2 Millionen Jobs abgebaut worden. "Mehr als zehn Millionen Amerikaner sind nun ohne Arbeit" sagte Obama. Millionen Familien wüssten damit nicht mehr, wie sie die Rechnungen bezahlen sollen. Sie müssten fürchten, dass sie ihre Häuser verlieren, weil Kredite nicht mehr bedient werden können. Obamas Prioritätenliste:
Der Kongress solle möglichst noch in seiner letzten Sitzung vor der Amtsübergabe an Obama am 20. Januar Maßnahmen zur Belebung der angeschlagenen US-Wirtschaft verabschieden. Ansonsten werde "dies das Erste sein, was ich als Präsident der Vereinigten Staaten erledigt haben möchte", sagte Obama. Ein solcher Plan sei "schon lange überfällig". Besonders hart von der Krise betroffen sei die Autoindustrie. Die Krise der Finanzwirtschaft drohe zudem schwere Folgen für die Realwirtschaft nach sich zu ziehen. Kleine Betriebe hätten derzeit Mühe, kurzfristige Kredite zu erhalten, lokalen Verwaltungen brächen die Steuereinnahmen weg.
Als oberste Priorität "brauchen wir einen Rettungsplan für die Mittelschicht", der Jobs schaffe und Millionen von Familien aus ihren Nöten helfe, sagte Obama. Deren Löhne schrumpften, und ihre Ersparnisse für den Lebensabend würden aufgezehrt. Viele US-Bürger haben ihr Geld für die Rente in Aktien angelegt, deren Wert derzeit sinkt. Es sei deshalb langfristig erforderlich, die Belastung der Mittelschicht durch eine Reform der Krankenversicherung und leichtere Finanzierung der Ausbildung ihrer Kinder zu verringern.
Eine weitere Priorität für Obama ist die Ausweitung der Arbeitslosenversicherung. Jeder Bundesstaat organisiert diese innerhalb eines von Washington vorgegebenen Rahmens. Arbeitslose erhalten in der Regel 26 Wochen lang Zahlungen, in manchen Bundesstaaten 39 Wochen. Im Wahlkampf hatte Obama angekündigt, die Besteuerung des Arbeitslosengeldes abzuschaffen.
Allerdings melden auch bereits Obamas Parteifreunde im Kongress und Gewerkschaften Ansprüche an. Die beiden führenden Demokraten im Repräsentantenhaus und im Senat, Nancy Pelosi und Harry Reid, forderten in einem Brief an Finanzminister Henry Paulson eine rasche Geldspritze für die Autoindustrie. Und die Gewerkschaften fordern als Lohn für ihre Wahlunterstützung neue Regeln, die es Beschäftigten erleichtern, sich in Betrieben gewerkschaftlich zu organisieren. Randel Johnson von der US-Handelskammer nannte die Gewerkschaftspläne laut "New York Times" einen "Weltuntergang".
Laut der "Washington Post" plant Obama, etwa 200 Anordnungen der Bush-Regierung zu Themen wie Stammzellenforschung und Klimawandel zu kippen. Einige seien parteipolitisch motiviert, hieß es.
Heute trifft sich Obama mit dem noch amtierenden Präsidenten George W. Bush. Er hoffe auf "substanzielle Gespräche", sagte Obama. Kommentatoren erwarten, dass die Schritte zur Belebung der Konjunktur erörtert werden.
| Entscheidung offen |
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| Finanzministerkandidat Zwei Namen werden in Washington genannt, wenn es um den Posten des Finanzministers unter Barack Obama geht: Lawrence Summers, der das Amt schon unter Bill Clinton zwei Jahre lang ausübte, und Timothy Geithner, heute Chef der New Yorker Zentralbank. Doch mit beiden gibt es Probleme, was eine Entscheidung hinauszögert. |
| Umstritten Summers war in den Augen einiger Experten ein zu entschiedener Verfechter der gescheiterten Deregulierungspolitik, um glaubwürdig für eine finanzpolitische Wende zu stehen. Als Präsident der Harvard-Universität wurde er 2006 nach kontroversen Äußerungen über Frauen und Afroamerikaner zum Rücktritt gezwungen. Geithner arbeitete unter Summers im Finanzministerium und gilt für viele seiner Kritiker als zu enger Freund der Wall Street und des amtierenden Finanzministers Henry Paulson. |