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Merken   Drucken   17.12.2009, 09:59 Schriftgröße: AAA

Kopenhagen: Klimagipfel wird zur Showveranstaltung

Kurz vor der Schlussrunde wächst beim Weltklimagipfel in Kopenhagen die Sorge vor einem Scheitern. Die dänischen Gastgeber verschoben den geplanten Entwurf einer Gipfelerklärung. von Reinhard Hönighaus  und Nikolai Fichtner 
Er solle frühestens am Donnerstagmorgen vorgelegt werden, berichtete das dänische Fernsehen. "Es gibt eine Reihe von Themen, die auf Ministerebene oder höher gelöst werden müssen", warnte der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, am Abend. Entscheidend für einen Erfolg des Finales am Freitag mit über 100 Staats- und Regierungschefs sei der Donnerstag.
Erschwert werden die Verhandlungen zwischen den Delegierten der 192 Staaten dadurch, dass seit der Ankunft der ersten Staats- und Regierungschefs am Mittwoch im Plenum nur noch Reden gehalten werden. Venezuelas Staatschef Hugo Chávez und Simbabwes Präsident Mugabe nutzten ihren Auftritt, um die "imperiale Diktatur" des Westens zu schelten. Parallel dazu können nach UN-Regularien keine offiziellen Verhandlungen geführt werden, sie müssen in die Nacht verschoben werden.
Nur bei den Finanzhilfen gab es etwas Bewegung: Im Namen der afrikanischen Staaten gab Äthiopiens Premier Meles Zenawi seine Forderung nach mehr Geld auf. Er erklärte sich mit dem von der EU angebotenen Ziel einverstanden, dass ab 2020 jährlich 100 Mrd. $ weltweit für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in den Süden fließen sollen.
Klimagipfel Die Welt schaut auf Kopenhagen
"Ich weiß, dass mein Vorschlag viele Afrikaner enttäuschen wird", sagte Zenawi. Afrika schraube seine Erwartungen zurück und hoffe darauf, dass dieses Angebot verlässlich sei. Auch mit den von EU und USA angepeilten Soforthilfen von jährlich 10 Mrd. $ bis 2012 wolle man sich zufriedengeben, sagte Zenawi.
In den inhaltlichen Verhandlungen gab es zahlreiche Blockaden und Rückschritte. So wurden im Entwurfstext zum Waldschutz konkrete Ziele wieder gestrichen. Brasilien und Saudi-Arabien verhakten sich laut Delegierten bei der Reform des Kohlenstoffmarkts. Brasilien will für die Vermeidung von Abholzung Emissionsgutschriften an die Industrie verkaufen - was Saudi-Arabien ablehnt, weil das OPEC-Land CO2 in leeren Ölfeldern versenken und dafür ebenfalls den milliardenschweren Kohlenstoffmarkt anzapfen will. Die USA, China und weitere Staaten sperrten sich gegen den Plan der EU, den Schiffs- und Flugverkehr dem Emissionshandel zu unterwerfen. Die EU behält sich weiter vor, ihr CO2-Reduktionsziel von 20 auf weniger als die in Aussicht gestellten 30 Prozent auszubauen, sollten die USA und China keine vergleichbaren Verpflichtungen eingehen.
Unterdessen macht in Kopenhagen der Verdacht die Runde, dass der Ausgang von den wichtigsten Regierungschefs fernab der Weltklimakonferenz bereits abgemacht wurde - bei den Feiern zum Mauerfall am 9. November in Berlin. "Der Deal steht schon längst", sagte der renommierte Klimawissenschaftler Hermann Ott der FTD. Das habe er von führenden Klimadiplomaten erfahren. "Die tun hier nur noch so, als ob sie verhandeln." Ott rechnet damit, dass die Verhandlungen erst mit einem lauten Knall scheitern, bevor dann in der Schlussphase ein bereits vorbereiteter Entwurf "aus dem Hut gezaubert" werde.
Inhaltlicher Kernpunkt der Abmachung sei eine Verpflichtung der Industriestaaten, ihre CO2-Emissionen bis 2020 um 24 Prozent zu senken. Berücksichtige man die Schlupflöcher durch die Anrechnung des Waldschutzes oder überschüssiger Emissionsrechte, liege die Senkung real nur bei 10 Prozent im Vergleich zu 1990, so Ott. Nötig wären aus Sicht der Wissenschaft mindestens 25, eher 40 Prozent, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.
Die Schwellenländer müssten sich zunächst nicht international binden. Daher könnten sie sich dem kaum entziehen. "Es wird ein Ergebnis geben, aber in der Sache wird der Gipfel scheitern", sagte Ott. Der "finale Deal" werde auf 2011 vertagt.
  • Aus der FTD vom 17.12.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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