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10.12.2010, 09:06
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Kopf des Tages:
Geir Lundestad - die geheime Macht
Chinas Führung schäumt vor Wut über die Vergabe des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo. Adressat des Zorns ist vor allem der Chef des Nobelpreis-Instituts.
von Elmar Jung, Kopenhagen
Die Dame vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist entrüstet. Wie man um Himmels willen nur schon wieder Helmut Kohl habe übergehen können. Die Übertragungswagen seien doch schon vor Ort in Oggersheim gewesen. Und dann: wieder nichts. Geir Lundestad lächelt nur milde und meint: "Gute Frau, seien Sie mir nicht böse, aber wir können unsere Entscheidung doch nicht davon abhängig machen, ob das ZDF mit seinen Kamerateams ausgerückt ist oder nicht." Das war 2008.
Es hätte aber auch jedes andere Jahr nach der Wiedervereinigung sein können. Jedenfalls schien der Direktor des norwegischen Nobel-Instituts in Oslo ob der Verärgerung der deutschen Journalistin äußerst zufrieden zu sein mit sich und der Welt. Je stärker der Gegenwind, desto besser.
Geir Lundestad, Direktor des norwegischen Nobel-Instituts
Die Empörung auf dem Mainzer Lerchenberg damals ist hingegen nur ein laues Lüftchen, verglichen mit dem Zorn, der Lundestad in diesem Jahr aus China entgegenschlägt. Denn Ende September gab das Nobel-Institut bekannt, dass die weltweit wichtigste Friedensauszeichnung an den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo geht. Die chinesische Parteiführung schäumte vor Wut, stieß Verwünschungen aus, rief zum Boykott der Vergabezeremonie auf und lobte sogar einen eigenen Friedenspreis aus.
Am Donnerstag verhängte die Führung in Peking sogar ein weitreichendes Reiseverbot für Regimekritiker und deren Familien. Am Freitag wird im Osloer Rathaus der Nobelpreis in Abwesenheit des Geehrten verliehen. Lundestad darf derweil die Anfeindungen der chinesischen Staatsmacht durchaus persönlich nehmen. Denn Liu Xiaobo ist vor allem seine Wahl.
Im persönlichen Umgang zurückhaltend und bisweilen jovial, erweckt der 65-jährige Geschichtsprofessor aus dem nordnorwegischen Provinznest Sulitjelma in der Öffentlichkeit zwar gern den Eindruck, er habe auf die Entscheidungen des fünf Mitglieder zählenden Friedensnobelpreiskomitees keinen Einfluss. Er sorge lediglich dafür, dass das Gremium so gut wie möglich informiert ist über die Kandidaten, pflegt Lundestad zu sagen. Das klingt bescheiden, der Wahrheit kommt das aber nicht nahe.
Teil 2: "Amerika ist auch heute noch das wichtigste Land der Welt"
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Aus der FTD vom 10.12.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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