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Merken   Drucken   05.02.2012, 20:13 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Sergej Lawrow - Putins Ausputzer

Der russische Außenminister vertritt den Widerstand Moskaus gegen eine Verurteilung Syriens im Sicherheitsrat. Er exekutiert knallharte Interessenpolitik. von Nils Kreimeier  Berlin
Russlands Außenminister ist ein Mann, der durchaus Sinn für Humor hat und bei Diplomaten sogar für seinen zuweilen scharfen Witz bekannt ist. Doch bei zwei Dingen versteht Sergej Lawrow überhaupt keinen Spaß. Wer dem Kettenraucher irgendwo die Zigarette verbieten will, der stößt auf Granit. Und wer ihm mit Menschenrechten oder Demokratieförderung kommt, der läuft Gefahr, brüsk abgeschmettert zu werden. Es ist nicht die Kategorie, in der Lawrow denkt: Der Karrierediplomat betrachtet Außenpolitik als ein Spiel des Interessenausgleichs. Ideale oder Prinzipien stören da nur.
Einen passenderen Außenminister hätte Russlands Regierungschef Wladimir Putin daher wohl kaum finden können. Auch Putin, der schon seit acht Jahren auf Lawrow als Minister vertraut, denkt am liebsten in Einflusszonen - und arbeitet geduldig daran, die des Kreml auszuweiten. "Lawrow ist ein hervorragend funktionierender verlängerter Arm Putins im Ausland", sagt ein deutscher Diplomat über den Minister. Anders als Putin allerdings lässt sich dessen Minister fast nie zu einer groben Sprache hinreißen, er bleibt am liebsten bei den feinen Spitzen der Diplomatie.
Im Zweifel njet: Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat eine ...   Im Zweifel njet: Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat eine lange Karriere in der sowjetischen Diplomatie hinter sich
Im aktuellen Streit um die Reaktion auf den blutigen Machtkampf in Syrien ist Lawrows Stil wieder deutlich geworden. Russland fürchtet, dass die USA und Europa mit einer Uno-Resolution gegen Damaskus vor allem ein Ziel vorantreiben: einen Regimewechsel. Das aber kann aus Lawrows Sicht nicht in russischem Interesse liegen. Moskau unterhält eine eigene Marinebasis in Syrien, zudem ist das Land einer der wichtigsten Abnehmer russischer Waffenexporte im arabischen Raum. Müsste Syriens Präsident Baschar al-Assad abtreten, dann verlöre Russland seinen letzten engen Verbündeten in der Region - und damit auch an strategischem Gewicht.
Russlands Veto gegen eine scharfe Syrien-Resolution im Uno-Sicherheitsrat ist in diesem Sinn nur logisch. Die Art und Weise, in der Lawrow hingegen die Ablehnung begründet, zeigt die Schule der Diplomatie, die der 61-Jährige durchlaufen hat. Der Minister argumentiert mit dem Völkerrecht, das es verbiete, sich in innere Angelegenheiten anderer Länder einzumischen. Und er fordert, nicht nur die Gewalttaten des Regimes in Damaskus zu verurteilen, sondern auch die der Aufständischen.
Derartige Vergleiche sind schon seit Sowjetzeiten typisch für Moskauer Außenpolitik, und Lawrow beherrscht sie perfekt. Er wurde Ende der 60er-Jahre am Moskauer Institut für Internationale Beziehungen ausgebildet und trat 1972 seinen ersten Posten an. Schon in den 80er-Jahren arbeitete Lawrow bei der sowjetischen Delegation der Uno in New York. Den echten Feinschliff allerdings bekam der Diplomat dann im neuen Russland nach dem Ende der Sowjetunion. In jener Zeit vertrat er sein Land als Botschafter bei der Uno im New York und verkörperte Moskaus Ablehnung des Nato-Angriffs auf Serbien und des Irakkriegs.
Am Dienstag will Lawrow Assad in Damaskus besuchen. Mit dabei soll auch der Chef des russischen Auslandsgeheimdiensts sein - was fast schon nach einem gezielten Affront gegen den Westen aussieht. Auch Lawrows Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz wirkte auf viele Teilnehmer wie der Auftritt eines muffigen kalten Kriegers, so trocken und unnahbar verkündete der Minister den Widerstand Moskaus gegen die in der Nato geplante Raketenabwehr und die Syrien-Resolution.
Der Ton passt ins Programm: Putin, der im März wieder zum Präsidenten gewählt werden will, hat derzeit kein Interesse an einem konzilianten Umgang mit dem Westen, der in der Bevölkerung eher schlecht ankäme. Doch das muss nicht von Dauer sein. Und Lawrow dürfte jederzeit in der Lage sein, wieder umzuschalten.
  • Aus der FTD vom 06.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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