Der US-Präsident droht BP wegen der Ölpest mit knallharten Sanktionen. Sein Vollstrecker heißt Thad Allen. Der Chef der US Coast Guard überwacht den Ölkonzern vor Ort - und lässt ihn täglich die Wut des Weißen Hauses spüren. von Titus Kroder
US-Präsident Barack Obama ist wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko inzwischen so wütend, dass er gern jemandem so richtig "in den Hintern treten" möchte. Admiral Thad Allen, der härteste Mann der US-Küstenwache, ist da genau der richtige Kandidat, um den Job zu erledigen.
Thad Allen ist "nationaler Krisenkommandeur"
Der 61-jährige groß gewachsene Offizier aus Arizona trägt den Titel "nationaler Krisenkommandeur". Schon George W. Bush hatte den Vietnamveteranen im Fall des verheerenden Wirbelsturms "Katrina" auf den Posten berufen. Nun übernimmt er erneut die Aufgabe des Kettenhunds des Weißen Hauses.
Der hoch dekorierte Admiral soll dem in den Augen der US-Öffentlichkeit zu lasch agierenden BP-Konzern nun gründlich den Marsch blasen. Schließlich versuchen die Briten nun schon seit über 55 Tagen erfolglos, das Ölleck auf dem Grund des Golfs abzudichten.
Auch die barsche Vorladung, mit der BP-Chef Tony Hayward und sein Chairman Carl-Henric Svanberg für Mittwoch ins Weiße Haus beordert werden, trägt das Siegel der US Coast Guard, die mit militärischem Auftritt und eigenen Ritualen eine Macht für sich ist. Dieser Tage sitzt Allen, der am 1. Juli in den Ruhestand gehen wollte, entweder in einem Fernsehstudio oder an der offenen Luke eines Hubschraubers, von wo aus er Bilder vom sich weiter und weiter ausbreitenden Ölteppich schießt.
Oder er steht hinter einem Pult und antwortet Journalisten auf täglichen Pressekonferenzen. Düster und grimmig wirkt der 61-jährige Absolvent der Akademie der Küstenwache und MIT Management School dabei. "Ich habe nie gesagt dass das gut läuft", blafft er etwa über die Versuche von BP, das Leck abzudichten, aus dem täglich Tausende Liter Öl ausströmen und das bereits jetzt das größte Umweltdesaster der US-Geschichte ist.
Doch man sollte sich in dem brummigen Admiral auch nicht täuschen. Allen ist nicht nur der harte Hund, den er für die über BP aufgebrachte amerikanische Bevölkerung nach außen hin gibt. Typisch Küstenwache vereint er, dessen Vater bereits in der Seepolizei diente, militärisches Gepränge mit Zügen ziviler Diplomatie. Allen kann auch diskret hinter den Kulissen agieren. Bereits einmal wurde er mit BP-Chef Hayward beim Essen gesichtet, um dem Briten, der zur Hassfigur der Amerikaner aufgestiegen ist, den Ernst der Lage klarzumachen.
Der Admiral geht dabei mit der Erfahrung unzähliger Krisenfälle vor, die er meistern musste. Er hat nach eigener Aussage in seinem Leben bereits an 47 Adressen gewohnt, auch weil ein Feuerwehreinsatz dem anderen folgte. In den Gewässern vor Miami fing er kubanischer Flüchtlinge vor der Einreise in die USA ab. Bei den New Yorker Terroranschlägen sicherte er die US-Ostküste. Der Hurrikan über New Orleans stählte sein Organisationstalent weiter. Was er nicht möchte, sagt er, ist ein geruhsamer "Kauf dir ein Boot"-Ruhestand".
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