Das wirft grundlegende Fragen auf. Sind diese Handlungen vorsätzlich, so sind sie ein Hinweis, dass das Regime in Nordkorea an den Rand des Wahnsinns geraten ist. Unter rationellen Aspekten sind seine Überlegungen und Handlungen schwer zu bewerten. Wenn nicht wahnsinnig geworden, könnte das Regime auch außer Kontrolle geraten sein. Vielleicht können verschiedene Elemente in Pjöngjang - darunter auch Teile des Militärs - auf eigene Faust und ohne zentrale Abstimmung handeln. Dies wäre noch unheilvoller.
Was soll die Welt also tun angesichts eines Problems, das die Großmächte seit Langem beschäftigt, ohne dass es auch nur den Ansatz einer Lösung gibt? Es tritt immer deutlicher zutage, dass zwei unterschiedliche historische Perspektiven aufeinanderprallen. Im Mittelpunkt stehen die beiden Großmächte USA und China.
Chinas Regierung ist historisch voller Selbstvertrauen. Die tektonischen Verschiebungen im globalen Machtgefüge nimmt diese Regierung als letztlich positiv für sich wahr. Sie spürt, dass ihre Macht wächst, und das führt zu einer Haltung großer Selbstbeherrschung bis hin zu Passivität und mangelnder Bereitschaft, die Dinge in Unordnung zu bringen.
Die andere involvierte Großmacht sind die USA, und die stecken in einer völlig anderen historischen Phase. In der öffentlichen Diskussion setzt sich immer stärker die Einschätzung durch, dass die historischen Trends gegen Amerika sprechen. Washington will mit anderen Staaten gemeinsam auf Nordkoreas Aktion reagieren und ist frustriert, weil andere nur bedingt bereit sind, die lästigen Pflichten mitzutragen.