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10.12.2009, 07:32
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Kosten des Klimaschutzes:
Wachstum trotz Kampf gegen Erderwärmung
Dass Klimaschutz teuer ist, darüber bestand lange Zeit Konsens in der Ökonomie. Inzwischen sehen viele Forscher das anders: Sie halten die Kosten für vernachlässigbar.
von Martin Kaelble,
Hubert Beyerle
und Young-Sim Song, Berlin
In der Debatte um die Kosten des Klimaschutzes herrscht unter Ökonomen zunehmend die Ansicht, dass Klimaschutz kein Wachstumshemmnis ist. "Wenn Klimaschutz in sinnvoller Weise von der Politik umgesetzt wird, sind die Kosten dafür vernachlässigbar", sagte der renommierte Klimaökonom Richard Tol, Professor an den Universitäten von Amsterdam, Dublin, Hamburg und Pittsburgh, der FTD. Diese Meinung würden viele Experten vertreten, so Tol.
Klimagipfel
Die Welt schaut auf Kopenhagen
Die Frage nach den Kosten von Klimawandel und Klimaschutz ist die zentrale Grundlage für Entscheidungen auf dem aktuellen Klimagipfel in Kopenhagen. Streng ökonomisch gesehen ist die Berechnung dieser Kosten die Voraussetzung für eine faire Festlegung von Konzentrationszielen von CO2 oder eines Preises für CO2, wie er von Klimapolitikern für Kopenhagen gefordert wird. Doch die Einschätzungen der Volkswirte über diese Kosten weichen deutlich voneinander ab und werden seit Jahren kontrovers diskutiert. Viele Klimapolitiker beziehen sich jedoch auf die Berechnungen des sogenannten Stern-Reports.
Nicholas Stern, ehemaliger Chefökonom der Weltbank
2006 veröffentlichte der ehemalige Weltbank-Chefökonom Nicholas Stern im Auftrag der britischen Regierung den einschneidenden Bericht, der die wirtschaftlichen Folgen der globalen Erwärmung untersuchen sollte. Im Mittelpunkt des Stern-Reports stand die Frage: Wie schnell und entschlossen müssen die Regierungen handeln, und lohnt sich Klimaschutz rein ökonomisch gesehen überhaupt? Der britische Ökonom kam zu dem Ergebnis: Man sollte zügig mit dem Klimakampf beginnen.
Auf den Bericht des Briten folgte eine heftige Kontroverse unter Ökonomen, die bis heute andauert. Der prominenteste Kritiker ist der Yale-Ökonom William Nordhaus. Der zentrale Streitpunkt: die Frage, wie viel der Klima-Kosten der heutigen Generation und wie viel zukünftigen Generationen zugemutet werden soll.
Für diesen Zeitvergleich bedienen sich Ökonomen der sogenannten Zeitpräferenzrate. Diese Diskontrate gibt den gegenwärtigen Wert für zukünftige Kosten und Gewinne an. Je niedriger die Rate, desto wichtiger werden zukünftige Kosten im Vergleich zu gegenwärtigen Kosten bewertet. Das Problem ist jedoch, dass es keine eindeutige Methode gibt, diese gesellschaftliche Diskontrate zu berechnen. Darum vermeiden es Klimaökonomen häufig, sich auf eine eindeutige Rate festzulegen. Auch Stern erklärt in seinem Bericht nicht explizit, welche Rate er ansetzt - wenngleich einige Experten später aus seinem Bericht folgerten, er habe offenbar eine Rate zwischen zwei und drei Prozent angesetzt. Das wäre gleichwohl immer noch deutlich weniger, als normalerweise bei öffentlichen oder privaten Investitionen angesetzt wird.
Allerdings erklärte Stern auch, ethisch angebracht wäre eine Rate von null, wie sie einige Philosophen für angemessen halten. Diese Rate wiederum kritisieren Ökonomen wie Nordhaus als völlig lebensfremd.
Teil 2: Reine Ökonomie ist problmatisch
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Aus der FTD vom 10.12.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
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