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  FTD-Serie: Krieg im Kaukasus

Das georgische Pulverfass ist explodiert: Aus dem seit Jahren schwelenden Konflikt um die abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien ist ein offener Krieg zwischen Georgien und Russland geworden. Eine FTD-Serie über das Kriegsgeschehen und die Hintergründe.

Merken   Drucken   11.08.2008, 10:23 Schriftgröße: AAA

Krieg im Kaukasus: Krisenregion stillt Öldurst des Westens

Wenn es um Energie geht, ist Georgien ein Zwerg unter Riesen: Russland im Norden, Aserbaidschan im Osten und der Iran im Süden gehören zu den großen Erdölförderländern der Welt. von Stefan Schaaf (Berlin)
In Georgien hingegen gibt es keine nennenswerten Erdöl- oder Gasvorkommen, das Land muss mehr als 90 Prozent seiner Primärenergie importieren. Dennoch verfügt das Land über einen Trumpf: Wenn das Öl aus Aserbaidschan und den übrigen Anrainerstaaten des Kaspischen Meers den Westen erreichen soll, führen alle Wege über Georgien. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion suchte der Westen nach Alternativen zum russischen Pipelinenetz. Seit 2005 ist die Transkaukasische Pipeline von Baku in Aserbaidschan zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan in Betrieb, 250 Kilometer der Rohrleitung verlaufen über georgisches Staatsgebiet. Durch die Pipeline sollen einmal bis zu eine Million Barrel Öl am Tag fließen. Auch die Südkaukasus-Gaspipeline führt durch georgisches Gebiet.
Aserbaidschan baute bereits 1999 eine Rohrleitung von Baku zum georgischen Schwarzmeerhafen Supsa und errichtete dort Verladeanlagen. In der nahen Hafenstadt Poti wird ebenfalls Öl verladen. Der Seeweg durch das Schwarze Meer wird allerdings durch das Nadelöhr Bosporus begrenzt: Die türkischen Behörden fürchten kaum etwas mehr als eine Tankerhavarie vor den Toren Istanbuls.
Deswegen ist die Pipeline von Baku nach Ceyhan die lang ersehnte Alternative. Georgien kassiert für jede Tonne Öl, die durch die Transkaukasische Pipeline fließt. Die georgische Staatskasse kann für die nächsten Jahrzehnte mit mehr als 60 Mio. $ Durchleitungsgebühren pro Jahr rechnen - ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung, denn der Nachholbedarf im Land ist groß.
Doch Georgien fehlen weiterhin Investitionen und eine leistungsfähige Verwaltung, die Korruption und Steuerbetrug unterbindet. Die Konflikte mit den abtrünnigen Provinzen Abchasien und Südossetien binden Kräfte und schrecken ausländische Geldgeber ab. Zudem ist das Land noch immer abhängig von Russland, das ein Monopol bei der Gasversorgung hat und seit 2003 auch das Stromnetz Georgiens kontrolliert.
  • Aus der FTD vom 11.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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