Nachdem sie einen georgischen Militärstützpunkt in Senaki erobert hatten, haben sich die russischen Bodentruppen aus der westgeorgischen Stadt zurückgezogen. Das Ziel, eine von der 300 Kilometer westlich der Hauptstadt Tiflis gelegenen Stadt drohende Offensive einer georgischen Infanterie-Brigade zu verhindern, sei erreicht, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau laut Nachrichtenagentur Itar-Tass mit. Damit sei das strategische Ziel der Operation erreicht. Auf dem Militärflughafen der 30.000-Einwohner-Stadt seien zuvor zwei georgische Hubschrauber zerstört worden, hieß es.
Russland will nach eigenen Angaben keine Eroberung der Hauptstadt des Nachbarlandes im Zuge des Konflikt: "Pläne, nach Tiflis vorzudringen, hatten wir nie und haben wir nicht", zitierte Interfax einen Vertreter des Moskauer Verteidigungsministeriums. Er wies entsprechende Aussagen des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili zurück. Angaben Saakaschwilis, russische Bodentruppen seien auf dem Weg in die Millionenstadt, zeugten "offensichtlich einfach von Panik" innerhalb der georgischen Führung, sagte der Militärvertreter.
Mit dem Vormarsch auf Senaki waren russische Bodentruppen zuvor erstmals während der Kampfhandlungen über das Territorium der beiden abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien hinaus in das eigentliche Georgien vorgedrungen. Aus Tiflis waren angesichts dessen dramatische Töne zu hören: "Dies ist ein Versuch, Georgien völlig zu erobern und zu zerstören", sagte Präsident Saakaschwili nach Angaben georgischer Medien bei einer Sitzung des Sicherheitsrats der Kaukasusrepublik. Er rief die internationale Staatengemeinschaft zur Hilfe.
Ein Militärsprecher in Moskau dementierte auch die zuvor von georgischer Seite berichtete Eroberung der Stadt Gori. Sie sei "nicht eingenommen" worden, sagte er nach Angaben der Agentur Interfax. Die Regierung in Tiflis hatte mitgeteilt, durch die angebliche Militäroperation sei das Land faktisch in zwei Hälften gespalten worden. Georgische Truppen seien zurückgezogen worden, um die Hauptstadt zu verteidigen.
Ein Ministeriumssprecher in Moskau sagte, die russischen Truppen würden lediglich bis in georgische Stellungen vordringen, um so weitere Angriffe auf Südossetien aus dem georgischen Kernland heraus zu vereiteln. Beobachter vermuten, dass Moskau eine Pufferzone um das prorussische Südossetien herum errichten will.
Die russischen Truppen waren aus dem Gebiet der Unruheprovinz Abchasien auf das Gebiet des eigentlichen Georgien vorgerückt. Russland bestätigte den Einmarsch. Auch in die Stadt Sugdidi sollen russische Soldaten vorgedrungen sein. Sie sollen dort mehrere Polizeistationen besetzt haben.