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  FTD-Serie: Krieg im Kaukasus

Das georgische Pulverfass ist explodiert: Aus dem seit Jahren schwelenden Konflikt um die abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien ist ein offener Krieg zwischen Georgien und Russland geworden. Eine FTD-Serie über das Kriegsgeschehen und die Hintergründe.

Merken   Drucken   10.08.2008, 21:43 Schriftgröße: AAA

Krieg in Georgien: Kaukasus fürchtet Flächenbrand

Dossier Der Konflikt zwischen Russland und Georgien um die abtrünnige Republik Südossetien droht auf andere Krisenherde überzugreifen. Am Sonntag rief das ebenfalls von Georgien abtrünnige Abchasien das Kriegsrecht aus. von Verena Diethelm (Moskau) und Fidelius Schmid (Brüssel)
Nach den Kämpfen in Südossetien bahnt sich nun eine Auseinandersetzung zwischen Russland und Georgien in der strategisch wichtigen Kodori-Schlucht in Abchasien an. Präsident Sergej Bagapsch bestätigte, dass er 1000 Soldaten in die Schlucht geschickt habe.
Westlichen Diplomaten zufolge wäre eine Ausweitung des Konflikts auf das strategisch bedeutsamere Abchasien das größte Risiko für eine regionale Destabilisierung. In Südossetien gebe es für die Russen nichts mehr zu gewinnen, nachdem sie die Kontrolle über Zchinwali wiedererlangt haben. "Sie haben Georgien einen furchtbaren Denkzettel verpasst. Mehr brauchen sie nicht", sagte ein Diplomat der FTD.
Ein Soldat aus Südossetien schaut im zerstörten Ort Dschawa dem ...   Ein Soldat aus Südossetien schaut im zerstörten Ort Dschawa dem Einmarsch russischer Panzer zu. Die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht
Einseitige Waffenruhe
Am Sonntagnachmittag rief die Regierung in Tiflis eine einseitige Waffenruhe aus, nachdem sie nach eigenen Angaben "alle Militäreinheiten aus dem Konfliktgebiet abgezogen" hatte. Dennoch gingen die Kämpfe vereinzelt weiter. Die georgische Regierung berichtete von Angriffen russischer Kampfflugzeuge auf den Flughafen von Tiflis. Die russische Kriegsmarine meldete am Abend, sie hätte mehrere georgische Kriegsschiffe im Schwarzen Meer versenkt. Zuvor sollen georgische Raketenträger auf die russische Schwarzmeerflotte gefeuert haben, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Damit hätte sich Georgien nicht an das eigene Angebot einer Waffenruhe gehalten, so die Nachrichtenagentur Interfax.
Erst am Nachmittag hatte Russland seine Flotte vor der abchasischen Küste in Stellung gebracht. Damit soll laut Interfax verhindert werden, dass Waffenlieferungen nach Georgien gelangen. Daraufhin hat sich die westlich orientierte Ukraine in den Konflikt am Südkaukasus eingemischt und gegen Russland Stellung bezogen. Das ukrainische Außenministerium drohte Moskau mit der Sperre ukrainischer Häfen für russische Kriegsschiffe, falls sich die Schwarzmeerflotte an den Kämpfen beteiligen würde. Moskau und Kiew befinden sich in einem jahrelangen Streit um die Schwarzmeerflotte, die bis 2017 auf ukrainischem Territorium stationiert ist.
Bilderserie Bilderserie: Georgien droht Zwei-Fronten-Krieg
Ende vergangener Woche war der Konflikt zwischen Russland und Georgien um die zwei abtrünnigen Republiken neu entflammt. Georgien reagierte nach eigenen Angaben auf die Provokationen südossetischer Separatisten, die georgische Dörfer beschossen, und marschierte in die Stadt Zchinwali ein. Russland, das Südossetien und Abchasien unterstützt, schickte nach der offiziellen Darstellung seine Soldaten in das Gebiet, um die dort stationierte russische Friedenstruppe zu schützen. Südossetische Behörden sprechen von mehr als 2000 Todesopfern, die Hälfte der Bevölkerung sei auf der Flucht.
Uno-Sicherheitsrat erörtert Lage
Der französische Außenminister und EU-Ratsvorsitzende Bernard Kouchner kündigte seine sofortige Reise nach Tiflis und Moskau an. In New York beriet der Uno-Sicherheitsrat über Möglichkeiten zur Lösung des Konflikts zwischen Georgien und Russland.
Unterdessen haben US-Streitkräfte begonnen, im Irak stationierte georgische Truppen zurück in deren Heimatland zu fliegen. Georgien habe um Transporthilfe ersucht, hieß es. Die US-Hilfe könnte zu einer weiteren Abkühlung der Beziehungen zwischen Moskau und Washington führen.
  • Aus der FTD vom 11.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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