Seit Wochen führt Machthaber Gaddafi Krieg gegen sein eigenes Volk. Mit Luftschlägen will der Westen ihn daran hindern - und die Zivilbevölkerung schützen. Eine FTD-Serie über den Aufruhr.
Die internationale Gemeinschaft will die Opposition beim Verkauf von Erdöl für humanitäre Zwecke unterstützen. Damit stellen sich die Teilnehmer der Libyen-Konferenz in London klar auf die Seite der Gaddafi-Gegner.
von Claus Hecking und Sebastian Borger, London
Die Teilnehmer der Londoner Libyen-Konferenz mit mehr als 40 Staaten des Westens und der arabischen Welt unterstützten einen Vorstoß des Emirats Katar, das Erdöl aus dem von den Rebellen besetzten Ostteil Libyens auf dem Weltmarkt verkaufen will. Dies sei eine Möglichkeit, Libyens oppositionellen Nationalen Übergangsrat zu unterstützen, sagte US-Außenministerin Hillary Clinton. "Sie brauchen Geld, um voranzukommen", erklärte Clinton.
Ölförderung in Libyen: Rebellen dürfen Erdöl auf dem Weltmarkt verkaufen
Wie ein Manager der Ölindustrie im Osten Libyens erklärte, könnte die Region binnen zwei Wochen ihre Tagesproduktion von 130.000 auf 400.000 Fass (je 159 Liter) steigern. Das würde den Rebellen beim derzeitigen Ölpreis von mehr als 100 Dollar je Fass bis zu 40 Mio. Dollar Gewinn pro Tag einbringen. Bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs förderte Libyen täglich etwa 1,6 Millionen Fass.
Damit stellen sich die Teilnehmer der Konferenz klar auf die Seite der Rebellen. Zugleich vereinbarten sie in London die Gründung einer Libyen-Kontaktgruppe. Diese soll die politische Führung der internationalen Bemühungen zur Gestaltung der Zukunft in Libyen nach einem möglichen Abgang des Diktators Muammar al-Gaddafi übernehmen und sich eng mit Uno, EU, Afrikanischer Union, Arabischer Liga und der Organisation der Islamischen Konferenz abstimmen, hieß es. Das nächste Treffen soll in Katar stattfinden.
Einige westliche Staaten, angeführt von Italien und Spanien, plädierten dafür, Gaddafi ins Exil zu bewegen. Demnach soll der Herrscher den Krieg gegen das eigene Volk beenden und im Gegenzug für einen Abgang einem internationalen Prozess wegen Kriegsverbrechen entgehen. Der Gastgeber der Konferenz, William Hague, lehnte dagegen ab, Gaddafi ungeschoren davonkommen zu lassen. "Natürlich bin ich der Meinung, dass er vor Gericht gehört", sagte der britische Außenminister. Gaddafi macht bislang keine Anstalten, Libyen zu verlassen.
Krieg in Libyen
Angriff des Westens gegen Gaddafi
Die libyschen Oppositionellen, die in London mit den Außenministern der USA, Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands zusammenkamen, streben nach eigenem Bekunden demokratische Reformen an. Jeder Bürger solle künftig an "freien und fairen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen" teilnehmen können, hieß es in einer Erklärung des Übergangsrats. Paris, das den Rat als legitimen Vertreter Libyens anerkannt hat, will einen Botschafter nach Bengasi entsenden. Die USA wollen Berichten zufolge einen Gesandten schicken. Zurückhaltender war der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Er stellte dem außenpolitischen Vertreter Mahmud Dschibril Delegationskreisen zufolge zwar Unterstützung für den Wandel in Aussicht. Bis dahin aber sei es noch ein langer Prozess.
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