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Merken   Drucken   26.01.2009, 14:26 Schriftgröße: AAA

Kriegsverbrecherprozess: Das Grauen im Gerichtssaal  

Menschenraub, Missbrauch, Massenmord: Regungslos lauscht Thomas Lubanga, während vor dem Internationalen Strafgerichtshof die Anklage gegen ihn verlesen wird. Einigen seiner Opfer wird Kongos Rebellenchef noch ins Gesicht sehen müssen.
Das Grauen ist zum Greifen nah. Mit jedem Satz von Chefankläger Luis Moreno-Ocampo vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) scheint es zu wachsen. "Eben noch hat ein Mädchen eine Waffe gegen Unschuldige gerichtet, jetzt muss es seinen Kommandeuren als Sexsklavin zu Willen sein." Fast zwei Stunden dauert Moreno-Ocampos Begründung der Anklage gegen einen der gefürchtetsten Milizenchefs des Kongos: Thomas Lubanga soll die Verantwortung dafür tragen, dass im Ituri-Konflikt im Nordosten des Landes Hunderte Jungen und Mädchen mit unvorstellbarer Brutalität als Soldaten missbraucht und immer wieder vergewaltigt wurden.
Regungslos, scheinbar völlig gefühllos hört der Angeklagte am Montag im ersten Prozess des "Weltstrafgerichts" den Vorwürfen von Kriegsverbrechen gegen Kinder in mehreren Fällen zu. "Zu diesem Zeitpunkt möchte unser Klient gern auf unschuldig plädieren", hat seine Anwältin Catherine Mabille vor den Ausführungen des Chefanklägers zu Protokoll gegeben. Moreno-Ocampo hatte das nicht anders erwartet: "Wir werden seine Schuld vor aller Welt beweisen, seien Sie sicher."
Dass ihm dies zweifelsfrei gelingt, so dass Lubanga verurteilt und für Jahrzehnte eingesperrt werden kann, hoffen nicht nur Menschenrechts- und Kinderschutzorganisationen in aller Welt. Über Satellitenanlagen ist der erste Prozesstages vor dem IStGH eigens in die Demokratische Republik Kongo und zahlreiche andere Länder Afrikas sowie Südamerikas und Asiens übertragen worden. "Von größter Bedeutung ist das für die Menschen im Osten Kongos", sagt ein Sprecher der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. "Sie müssen erleben, dass ihnen hier in Den Haag auch wirklich Gerechtigkeit widerfährt."

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  • dpa, 26.01.2009
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