Merken
Drucken
31.12.2010, 12:21
Schriftgröße: AAA
Kurswechsel:
Rousseff führt Brasilien nach Westen
© Bild:
2010 reuters
Die neue Präsidentin wird am 1. Januar vereidigt. In Interviews erklärt sie, was sie anders machen will als ihr Vorgänger Lula da Silva. Dazu zählt eine Annäherung an die USA und der Bruch mit Lulas umstrittener Iran-Politik.
von Susann Kreutzmann
Brasiliens künftige Präsidentin Dilma Rousseff will ihr Land außenpolitisch stärker nach Westen orientieren. In Interviews kündigte Rousseff, die am 1. Januar vereidigt werden soll, einen Kurswechsel in der Iranpolitik und eine Annäherung an die USA an.
"Ich stimme nicht damit überein, wie Brasilien abgestimmt hat", sagte Rousseff der "Washington Post" über die Enthaltung ihres Landes in der Uno-Generalversammlung im vergangenen November. Damals ging es um eine Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran. Die künftige Präsidentin betonte, sie werde immer gegen "mittelalterliche Praktiken", mit denen Frauen im Iran behandelt würden, und die Steinigung eintreten.
Dilma Rousseff
Rousseffs Äußerungen sind ein Signal, dass Brasilien wieder enger den Schulterschluss mit westlichen Ländern sucht. Damit bricht sie mit dem Kurs ihres populären Amtsvorgängers Luiz Inácio Lula da Silva. Der hatte mit seinen guten Beziehungen zu umstrittenen Regimen wie in Kuba oder im Iran immer wieder Kritik aus dem Westen geerntet.
Lula scheidet in wenigen Tagen mit einer Rekordzustimmung in der Bevölkerung von mehr als 80 Prozent aus dem Amt. Im Wahlkampf hatte Rousseff stets betont, Lulas Politik fortsetzen zu wollen. Die Unterstützung des charismatischen Politikers hatte ihr maßgeblich den hohen Sieg im November gesichert. Nun stellte die erste Frau im höchsten Staatsamt allerdings klar, dass sie zumindest in der Außenpolitik eigenen Vorstellungen folgen will. "Meine Regierung wird unterschiedlich zu der von Präsident Lula sein", sagte sie.
Mit seiner schnell wachsenden Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren auch Brasiliens politischer Einfluss weltweit gestiegen. Das größte Land Lateinamerikas gilt als aussichtsreicher Kandidat für einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat. Damit würde Brasilien bei allen weltpolitischen Themen mitentscheiden.
Irans Präsident Ahmadinedschad (M.), Brasiliens Präsident Lula da Silva (l.) und der türkische Regierungschef Erdogan
Vor allem Lulas Annäherung an das Regime in Teheran hatte Amerikaner und Europäer zuletzt irritiert. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad war 2009 zum Staatsbesuch in Brasilien, wenige Monate später reiste Lula da Silva nach Teheran - trotz der blutigen Niederschlagung der Proteste gegen Ahmadinedschads Wiederwahl kurz zuvor. Im vergangenen Mai lösten Lula und der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan weltweites Kopfschütteln aus mit einer angeblichen Kompromisslösung für den Streit um Teherans Atomprogramm. Im Nahostkonflikt hatte sich Lula ebenfalls erfolglos als Vermittler versucht.
Teil 2: Lula über Obama enttäuscht
-
FTD.de, 31.12.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden