Eineinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe in Fukushima beschließt Japan den Atomausstieg. Auf einem Ministertreffen sei am Freitag die Entscheidung gefällt worden, bis 2040 aus der Atomenergie auszusteigen, meldeten japanische Medien. Danach sollen die noch bestehenden AKW nach 40 Jahren Laufzeit abgeschaltet werden, neue Meiler nicht mehr hinzukommen. Japan folgt damit dem Beispiel Deutschlands. Die Mehrheit der Japaner spricht sich in Umfragen inzwischen für den Ausstieg aus der Kernkraft aus.
Am 11. März 2011 bebte die Erde, und ein Tsunami überrollte die Küstengebiete Japans. Zurück blieben Schutt und Zerstörung und die größte Atomkatastrophe seit Tschernobyl. Wochenlang kämpften Arbeiter und Feuerwehrleute gegen den Super-GAU und versuchten, vier beschädigte Reaktorblöcke unter Kontrolle zu bringen. In den Blöcken 1 bis 3 schmolzen die Brennstäbe vollständig. Erst im Dezember meldete die japanische Regierung, dass das havarierte AKW unter Kontrolle sei.
Bis zur Katastrophe hat Japan die Nutzung der Kernenergie nie infrage gestellt, sondern stetig ausgebaut. Nach dem Unglück wurden zeitweise alle 50 einsatzfähigen Reaktoren im Lande zu Wartungsarbeiten abgeschaltet. Bis dahin deckten die Atomkraftwerke 30 Prozent des Strombedarfs. Es gab Pläne, ihren Anteil mit dem Bau weiterer Kraftwerke bis 2030 auf mehr als 50 Prozent anzuheben.
Mit mehr als einer Million Gigawattstunden pro Jahr ist Japan der weltweit drittgrößte Stromverbraucher. Nur die USA und China verbrauchen mehr; Deutschland kommt auf 604.000 Gigawattstunden.
Vor dem Abschalten der Reaktoren hatten führende Vertreter der Wirtschaft gewarnt, Strommangel und steigende Energiepreise könnten zu einer beschleunigten Abwanderung der Produktion aus Japan führen. Als Ersatz für Atomstrom wurden dann alte Thermalkraftwerke wieder angefahren. Die erhöhte Einfuhr von Erdgas und Rohöl trug dazu bei, dass Japan 2011 erstmals seit mehr als 30 Jahren ein Defizit in der Handelsbilanz auswies.