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Merken   Drucken   09.08.2009, 20:02 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Chinas Spiel mit dem Feuer  

Die chinesische Regierung tut sich keinen Gefallen, wenn sie einen regelrechten Spionagekrieg heraufbeschwört. Dabei hat sie mit ihren Vorwürfen gegen die Mitarbeiter des Bergbaukonzerns Rio Tinto möglicherweise sogar recht.
China als Opfer von Industriespionage? Manch Beobachter aus dem Westen mag da laut auflachen - sind es doch die Chinesen selbst, die in den Industrieländern das Image der notorischen Produktpiraten weghaben. Tatsächlich ist es aber alles andere als eindeutig, dass die Rollen in der Affäre um das Verhalten von Mitarbeitern des Bergbaukonzerns Rio Tinto  den gängigen Klischees entsprechen.
Wenn es stimmt, dass Rio Tinto Funktionäre des chinesischen Stahlverbands bestochen hat, um herauszufinden, welchen Erzpreis dieser noch eben verschmerzen würde, läuft das den nationalen Interessen der rohstoffhungrigen Volksrepublik massiv zuwider. Als weltweit wichtigster Abnehmer versucht der staatliche Verband, Eisenerz billiger einzukaufen, als er es auf dem Weltmarkt könnte. Der wieder steigende Stahlpreis macht diese Verhandlungen derzeit noch schwieriger. Es ist deshalb nicht einmal nötig, die gescheiterte Aufstockung des chinesischen Bergbaukonzerns Chinalco an Rio Tinto als Erklärung für die aktuellen Vorwürfe zu bemühen.
Gegen den Reflex, in dem Spionagevorwurf nur chinesische Paranoia zu sehen, spricht auch die Reaktion der australischen Regierung und von Rio Tinto: Statt sofort zu dementieren, vermeiden sie Stellungnahmen bislang - womöglich aus Sorge, dass an den Unterstellungen etwas dran ist. Rio Tinto hat zumindest den Ruf, ein knallharter Verhandlungspartner zu sein.
Allerdings tut sich die chinesische Regierung keinen Gefallen, wenn sie nun feuerspuckend einen regelrechten Spionagekrieg heraufbeschwört. Solche Drohungen sind vielleicht vor dem Hintergrund ähnlicher Vorwürfe gegen China aus dem Westen nachvollziehbar: Schon beim Thema Dumping ging das Land in die Offensive, indem es sich seinerseits bei der WTO über Dumpingfälle in den Industrieländern beschwerte.
Hier aber droht China massiv Misstrauen zu schüren. Die Regierung hält immerhin einen australischen Staatsbürger gefangen, auf Basis von Informationen, die für die Außenwelt kaum nachprüfbar sind. Es wäre daher in Chinas Interesse, den Fall auf möglichst kleiner Flamme zu halten und zu vermitteln, dass es bei der Sache rechtsstaatlich zugeht. Ein weiteres wirtschaftspolitisches Minenfeld kann in Zeiten, wo man aufeinander angewiesen ist, um eine globale Wirtschaftskrise zu bekämpfen, keiner gebrauchen.
  • Aus der FTD vom 10.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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