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  FTD-Serie: Davos überdenkt die Weltwirtschaft

Zum 40-jährigen Jubiläum gibt sich das Weltwirtschaftsforum grüblerisch: Unter dem Motto "Überdenken, umgestalten, erneuern" trifft sich in Davos wieder die globale Wirtschafts- und Politikelite. Konsequenzen aus der Krise dürften dabei im Mittelpunkt stehen – besonders die radikalen Umbaupläne für das Finanzsystem.

Merken   Drucken   31.01.2010, 21:22 Schriftgröße: AAA

Lektion von Davos: Ein bisschen Staat muss sein

Abseits der Bühnen geht es wie immer ums Geschäft. Aber oben auf den Podien von Davos geht es in diesem Jahr vor allem um die Geschäftsgrundlage: Das Verhältnis von Politik und Wirtschaft wird nach der Finanzkrise neu ausgehandelt - und die Politik gibt die Richtung vor. von Nikolaus Förster, Christian Schütte  und Guido Warlimont  Davos
"Ob wir es wollen oder nicht: Regierungen werden künftig eine größere Rolle in unserem Leben spielen", sagt etwa Pepsico -Chefin Indra Nooyi. Auf dem Weltwirtschaftsforum lässt sich gut beobachten, wer dabei am meisten zu verlieren und zu gewinnen hat. Da sind einerseits die gestürzten Helden der Finanzwirtschaft, die verzweifelt versuchen, den heraufziehenden Regulierungssturm zu ihren Gunsten zu beeinflussen - mit wenig Erfolgsaussicht: "Mit dem Argument: "Hört auf, auf uns einzudreschen, wir haben unsere Lektionen gelernt", kommen wir nicht durch", sagt Stephen Green, Chairman der weltgrößten Bank HSBC . "Der massive Vertrauensverlust in das Finanzsystem und die Rolle der Märkte wird noch viele Jahre andauern."
Jose Sergio Gabrielli, Chef von Petrobras   Jose Sergio Gabrielli, Chef von Petrobras
Und da sind die stillen Genießer: die Energiebranche, die sich stärker und zuversichtlicher denn je fühlt. "Wir waren schon im vergangenen Jahr eine besondere Gruppe", berichtet etwa ein gut gelaunter José Sergio Gabrielli, Chef des brasilianischen Energiekonzerns Petrobras. Vielversprechende Projekte, Kapital, klare Zukunftsperspektiven - alles kein Problem. Die Welt braucht auf lange Sicht ohne jeden Zweifel mehr Energie und mehr Energieeffizienz.
Gérard Mestrallet, Chef von GDF Suez SA   Gérard Mestrallet, Chef von GDF Suez SA
Da stellt sich auch die Politik nicht in den Weg. Nur beim Thema Klimaschutz wackeln die großen Pläne. Das Scheitern des Gipfels von Kopenhagen sorge für Investitionsunsicherheit, klagen viele Manager. Es fehlen die klaren Zielmarken und Leitplanken.
Die Reaktionen der Manager auf diese Situation reichen von Hilferufen an die Politik bis zur Forderung, die Unternehmen sollten im Alleingang vorangehen. "Wir hoffen bald auf Leitlinien, und seien es Beschränkungen. Aber wir brauchen Klarheit!", sagt etwa Gérard Mestrallet , Vorstandschef des französischen Gasversorgers GDF Suez.
Samir Brikho, Chef von Amec   Samir Brikho, Chef von Amec
Mehrere Manager betonen, trotz Krise sei in den Unternehmen der Wille zum nachhaltigen Wirtschaften ausgeprägt. Sie seien zu Veränderungen bereit. "Die große Frage ist derzeit, wie wir die Regierungen überzeugen können, die Grundlagen für die notwendigen Veränderungen zu schaffen", sagt Samir Brikho, Chef des britischen Konzerns Amec, der Ingenieurleistungen für die Öl- und Minenindustrie anbietet. "Es liegt jetzt an uns, eigenständig voranzugehen", sagt Deutsche Post -Chef Frank Appel . Große Logistikkonzerne etwa hätten sich unter dem Dach des Weltwirtschaftsforums auf Regeln geeinigt, wie sie ihren CO2-Ausstoß transparent machen. "Wenn die Regierungen keine Einigung hinbekommen, müssen die Unternehmen das alleine machen", sagt Appel.
Für die wahren Enthusiasten neuer Technologien versteht sich das ohnehin von selbst. Mit leuchtenden Augen berichteten die Technologiepioniere in Davos wieder einmal von den Wundern einer digitalen Zukunft, die jetzt unmittelbar bevorstehe. Nach den IT-Innovationen der 90er-Jahre sei jetzt der Punkt gekommen, an dem die Massenausbreitung mobiler Kommunikation die Wirtschaft und den Alltag in der ganzen Welt revolutionieren werde, sagt Accenture -Chef William Green.
Die Politik scheint bereit, die dafür notwendigen Gesetze und Infrastrukturen zu schaffen. Nur gelegentlich blitzt auf, welche Konflikte da noch lauern könnten. Wenn es um seinen Streit mit der chinesischen Regierung geht, wird auch der sonst so beredte Google -Chef Eric Schmidt  plötzlich ausgesprochen schmallippig. Schließlich geht es bei dem Streit nur vordergründig um staatliche Zensur, tatsächlich aber um Datensicherheit - und da werden auch die wieder erstarkten Regierungen hellhörig.
  • Aus der FTD vom 01.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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