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Merken   Drucken   19.10.2008, 20:41 Schriftgröße: AAA

Letzte Wahlkampfphase: Republikaner Powell für Obama

Erstmals hat sich ein prominenter US-Republikaner öffentlich auf die Seite des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama geschlagen. Colin Powell, ehemaliger Außenminister unter George W. Bush, sprach sich für Obama als nächsten Präsidenten aus.
von Sabine Muscat (Washington)

Der Demokrat sei der beste Kandidat in "Stil und Substanz", sagte Powell am Sonntag im Sender NBC. Die letzte Wahlkampfphase entwickelt sich für Barack Obama immer mehr zum Durchmarsch. Zumindest im Establishment ist der Demokrat zwei Wochen vor der Wahl am 4. November klar Favorit. Obama hat die Unterstützung einflussreicher US-Medien. Erst am Freitag hatte sich die "Washington Post" für ihn ausgesprochen. Zudem hat Obama allein im September 150 Mio. $ eingenommen und damit alle Wahlkampfspenden-Rekorde gebrochen. John McCain, der sich auf öffentliche Wahlfinanzierung verlässt, stehen für die beiden Monate vor der Wahl nur 84 Mio. $ zur Verfügung. "Tiefe des Wissens" Obama habe die Fähigkeit bewiesen, zu inspirieren und die Amerikaner zu einen, sagte Powell. Wegen seiner "Beständigkeit, intellektuellen Neugier und Tiefe des Wissens" sei der 47-jährige Senator aus Illinois besser für die bevorstehenden Aufgaben im Weißen Haus gewappnet als der 72-jährige Republikaner McCain. Powell kritisierte die Versuche der Republikanischen Partei, Obama persönlich zu diffamieren. Das Lob des prominenten Generals und ersten afroamerikanischen US-Außenministers erleichtert es Obama, Zweifel an seinen Führungsqualitäten auszuräumen. Es schwächt den Versuch des Vietnamkriegsveteranen McCain, den jüngeren Rivalen als zu riskante Wahl für die Aufgabe des US-Oberkommandierenden darzustellen. Powell hatte als Außenminister den Irakkrieg der Bush-Regierung verteidigt, dies aber später öffentlich bereut. Schließlich wurde er zu einem prominenten Kritiker der umstrittenen Militärintervention. Vergleich mit Sozialisten

McCain verschärfte seine Angriffe auf Obama am Wochenende noch einmal. So verglich er die Wirtschaftspolitik seines Rivalen mit der "europäischer Sozialisten". In Umfragen konnte der Republikaner seinen Rückstand wieder etwas verkleinern. Obama liegt im nationalen Durchschnitt nur noch fünf Prozentpunkte vor McCain, rund drei Prozentpunkte weniger als noch vor einer Woche.

Die neuesten Erhebungen wurden nach dem letzten Fernsehduell der Kandidaten am vergangenen Mittwoch durchgeführt. Dort hatte McCain mit dem Beispiel von "Joe, dem Klempner" argumentiert, Obama werde die Steuern für Unternehmer erhöhen. Powell dagegen warf McCain mangelnde Wirtschaftskompetenz vor. Die häufigen Schwenks des Kandidaten bei dem Thema hätten bei ihm "das Gefühl erzeugt, dass er die wirtschaftlichen Probleme unseres Landes nicht komplett versteht", sagte der Ex-Minister.

  • Aus der FTD vom 20.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
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