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  FTD-Serie: Mordserie erschüttert Russland

Ex-Agent Alexander Litwinenko und sein Kontaktmann Mario Scaramella, die Journalistin Anna Politowskaja, Zentralbank-Vize Andrej Koslow, der Abteilungsleiter der Vneshtorgbank, Alexander Plochin - in Russland tobt ein tödlicher Kampf um Macht und Einfluß. Lesen Sie in unserer Serie alles über die Rückkehr der Geheimdienstmorde.

Merken   Drucken   12.10.2006, 14:59 Schriftgröße: AAA

Letzter Artikel von Anna Politkowskaja veröffentlicht

Die Journalistin schilderte kurz vor ihrer Ermordung im unvollendeten Bericht die Folterung eines Gefangenen. Der Artikel erhebt schwere Vorwürfe gegen tschetschenische Behörden.
Die ermordete Journalistin Anna Politkowskaja (Archivbild)   Die ermordete Journalistin Anna Politkowskaja (Archivbild)
Fünf Tage nach dem Mord an Anna Politkowskaja hat die Moskauer Zeitung "Novaja Gazeta" den letzten Artikel der Journalistin veröffentlicht. In dem unvollendeten Text werden den vom Kreml unterstützten tschetschenischen Behörden Folterungen von politischen Gegnern vorgeworfen, die als Terroristen inhaftiert wurden. "Kämpfen wir mit legalen Mitteln gegen die Gesetzlosigkeit?" schreibt Politkowskaja. "Oder zerschlagen wir sie mit unserer eigenen Gesetzlosigkeit?" Die Journalistin zitiert einen Tschetschenen, der aus der Ukraine an die Behörden in Grosny ausgeliefert wurde. Der Mann wurde nach eigener Aussage an Händen und Füssen hängend an eine Querstange gebunden, geschlagen, mit Elektroschocks gequält und mit einer Tüte über dem Kopf an den Rand des Erstickens gebracht.
Der Artikel enthält Fotos aus einem Videofilm, der offenbar von Personen gedreht wurde, die an den Folterungen beteiligt waren. Politkowskaja schrieb, dass die Polizei in der Teilrepublik verhaftete junge Männer foltere, um sie zu Geständnissen hinsichtlich Terrorismus zu zwingen. Anhand dieser falschen Aussagen würden "Strafverfahren wie am Fließband produziert".
Einige Kollegen von Politkowskaja haben die Vermutung geäußert, dass der Mordanschlag vom Samstag in Zusammenhang mit ihrer Arbeit an dem Artikel stand. In einem Gespräch mit Radio Liberty sagte Politkowskaja kurz vor ihrem Tod, dass sie als Zeugin bei Ermittlungen zu Foltervorwürfen in Tschetschenien aussagen werde. Das Motiv für den Mord könnte aber auch in der regierungskritischen Berichterstattung über andere Themen liegen. Der tschetschenische Ministerpräsident Ramsan Kadyrow bekräftigte am Mittwoch, dass er nichts mit dem Mordanschlag zu tun habe. "Eine Frau ist heilig", sagte Kadyrow dem russischen Fernsehsender NTV. "Ich denke, dass die Verantwortlichen für den Mord an Anna Politkowskaja mich in ein dunkles Licht setzen wollten."
Die international anerkannte Menschenrechtsaktivistin und Reporterin Politkowskaja hatte den Artikel nicht vollenden können. Sie war am vergangenen Samstag in Moskau erschossen worden. Der Mörder wurde bislang nicht gefunden. Präsident Wladimir Putin verurteilte während seines Deutschlandbesuches den Anschlag. Gleichzeitig sagte er, die kritische Journalistin habe in Russland keine große Rolle gespielt. Ihr Tod schade der russischen Staatsmacht mehr als ihre Artikel.
  • FTD.de, 12.10.2006
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