Wenn man sich doch nur rückhaltlos mit den chinesischen Arbeitern freuen könnte, ebenso wie mit hoffnungsfrohen europäischen Exporteuren. Das fällt indes schwer. Denn bei genauerem Hinsehen geben die Entwicklungen in China mehr Anlass zur Sorge als zur Hoffnung.
Die Löhne in China steigen unter anderem, weil die Lebenshaltungskosten - Nahrungsmittel und Energie - explodiert sind. Auch wohnen bleibt in den Metropolen für viele schier unerschwinglich. Das heißt: Die Kaufkraft des größten Teils der Bevölkerung bleibt mickrig, die Lohnsteigerungen können den Anstieg der Lebenshaltungskosten allenfalls etwas lindern. Von einer klassischen Mittelschicht ist China noch weit entfernt.
Was China hat, ist eine wachsende Zahl an Superreichen, und von denen profitieren gerade auch deutsche Unternehmen, allen voran Autohersteller. Ein weitaus größerer Teil unserer Exporte - gerade im Maschinenbau - dürfte jedoch von den gigantischen chinesischen Investitionen in Infrastruktur ausgelöst worden sein, die Peking als Reaktion auf die Finanzkrise angeschoben hat. Dass der Nutzen vieler dieser Projekte volkswirtschaftlich fragwürdig war und das chinesische Bankensystem mit faulen Krediten geflutet ist, wird kaum jemand bestreiten.