Wirtschaftsreformen im BlickUnter Singhs Führung dürfte die von den Hindunationalisten betriebene atomare Aufrüstung gebremst werden, denn er hat andere Prioritäten: "Wir werden der Welt und unserem Volk ein Modell wirtschaftlicher Reformen präsentieren, das neue Gelegenheiten für die Armen und Unterprivilegierten schafft", verspricht er.
Solche Versprechen sind in Indien nichts Besonderes. Aber Singh gilt - in einem Land, das selbst Kriminelle ins Parlament wählt und in dem Korruption regelmäßig das karge Einkommen der Bürger verschlingt - als "ehrlichster Politiker".
Kritiker bemängeln, dass ihm die Erfahrung fehlt, eine auseinander strebende Koalition aus 19 Parteien zusammenzuhalten. Aber als Finanzminister bewies er, dass er eine Menge Kniffe beherrscht, mit denen er sich selbst dann noch mit seinen Ideen durchsetzt, wenn ihm die Mehrheit fehlt: 1995 und 1996 bremste der damalige Premierminister Narasima Rao den Liberalisierungsdrang Singhs. Aber der fand Wege, die Wirtschaftsreformen per Erlass und Dekret trotzdem mit Leben zu füllen. "Es gibt so viele Möglichkeiten, etwas zu tun", witzelte er damals. Und als er nun zum Regierungschef berufen wurde, zitierte er den französischen Schriftsteller Victor Hugo: "Keine Macht dieser Welt kann eine Idee aufhalten, deren Zeit gekommen ist."